Bundeswehr in Afghanistan: Jung: "Nein" zu mehr Truppen und Geld

Bundeswehr in Afghanistan : Jung: "Nein" zu mehr Truppen und Geld

Berlin (RPO). Offene Worte aus dem Bundesverteidigungsministerium: Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat Nato-Forderungen nach einem stärkeren deutschen Engagement in Afghanistan zurückgewiesen. "Wir haben ja schon auf 4.500 Soldaten plus 300 für den Awacs-Einsatz aufgestockt. Wir zahlen für Afghanistan 200 Millionen Euro im Jahr - seit 2002 sind es schon 1,2 Milliarden", sagte der CDU-Politiker in einem Interview.

Insofern könne sich Deutschland sehen lassen, und daher gebe es keinen Grund, jetzt noch mehr Geld oder Truppen zur Verfügung zu stellen. Junge betonte, man müsse auch über den zivilen Wiederaufbau reden, und da habe Deutschland "weit mehr geleistet als viele unserer europäischen Partner", sagte er der "Bild am Sonntag".

Einsatz mindestens noch fünf bis zehn Jahre

Nach den jüngsten Angriffen auf die Bundeswehr rechnet Jung mit einer langen Dauer des Einsatzes in Afghanistan. "In der letzten Zeit hat sich die Sicherheitslage beispielsweise im Raum Kundus verschärft. Bis wir Afghanistan endgültig stabilisiert haben, brauchen wir noch mindestens fünf bis zehn Jahre."

Grundsätzlich sei der Afghanistan-Einsatz ein Erfolg, die meisten Distrikte seien stabilisiert. "Nur zwölf Prozent unseres Verantwortungsbereichs im Norden sind akut bedroht. Wir haben die terroristischen Aktivitäten und Al Kaida zurückgedrängt. 6,5 Millionen Kinder gehen wieder zur Schule", sagte Jung. Mit der "Operation Adler" habe man die Taliban Ende Juli im Raum Kundus zurückgeschlagen. Doch auch in Zukunft würden derartige Operationen notwendig sein.

Ein verletzter Soldat bei Angriff am Freitag

Am Freitag war erneut ein deutscher Soldat bei einem Angriff auf die Bundeswehr verletzt worden. Wie das Einsatzführungskommando mitteilte, wurden die Mitglieder der schnellen Eingreiftruppe rund vier Kilometer nordwestlich vom Flugplatz Kundus von einer unbekannten Anzahl Aufständischer beschossen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert, woraufhin die Angreifer zunächst ausgewichen seien. Wenig später kam es zu einem erneuten Feuergefecht, dabei wurde ein deutscher Soldat am rechten Oberarm verletzt. Er wurde in das Rettungszentrum Kundus gebracht und operiert. Sein Zustand sei stabil.

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(AP/felt)