Julia Klöckner zur Lage in der CDU: Es ist erlaubt, seinen Hut in den Ring zu werfen

Julia Klöckner im Interview : „Es ist erlaubt, seinen Hut in den Ring zu werfen“

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner spricht im Interview über die Lage in der Partei nach Angela Merkels Rückzugsankündigung. Und sie erklärt, warum sie selbst nicht antreten will.

Frau Klöckner, sehen Sie die Wahl des neuen Parteichefs oder der neuen Parteichefin als Richtungsentscheidung für die Partei?

Julia Klöckner Angela Merkels Schritt zeugt von Haltung und Geradlinigkeit und ist natürlich eine Zäsur – ein historischer Moment für die CDU. Über viele Jahre hat sie die CDU Deutschlands geprägt, modernisiert, ohne die Wurzeln aufzugeben. Das verdient Würdigung. Und mit Blick nach vorne: In jeder neuen Lage liegt auch eine neue Chance – die Parteimitglieder zu motivieren und zu mobilisieren. Zusammen mit der Diskussion um das Grundsatzprogramm wird es natürlich auch darum gehen, in welche Richtung die Volkspartei CDU in diesen Zeiten steuern will. Ich meine, die CDU muss weder nach rechts oder nach links rücken, sondern breiter werden. Das ist Volkspartei.

Wen bevorzugen Sie als neuen Parteivorsitzenden – Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn?

Klöckner Netter Versuch (lacht). Es geht doch nicht um meinen persönlichen Geschmack – und schon gar nicht darum, dass ein, zwei Tage nach Angela Merkels Ankündigung schon eine Diskussion um die Nachfolge beendet wird durch die Spitzen in der Partei. Ich möchte, dass sich unsere Mitglieder ein Bild von den Kandidaten und von deren Vorstellungen machen können, das ist sicher ein belebendes Moment für unsere Partei. Allein die Tatsache, dass es mehrere respektable Kandidaten gibt, zeigt die Bandbreite. Jeder ist mit seinen Fähigkeiten eine Bereicherung für die CDU.

Rechnen Sie noch mit weiteren Kandidaten?

Klöckner Das treibt mich jetzt nicht um. Möglich ist es, es ist ja auch erlaubt, seinen Hut in den Ring zu werfen, und kein Verbrechen (lacht). Es ist Ausdruck von Lebendigkeit und Aktivität unserer CDU. Wichtig wird sein, dass sich die Kandidaten den Mitgliedern nun vorstellen, sie die Möglichkeit haben, die Personen und ihre Ideen und Vorstellungen besser kennenzulernen. Regionalkonferenzen hielte ich hierfür für ein gutes und geeignetes Format.

Erwägen Sie selbst eine Kandidatur?

Klöckner Es mangelt ja nicht an Kandidaten. Als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz habe ich einen wirklich vollen Terminkalender, gerade auch mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen. Da habe ich nicht vor, auch noch den Parteivorsitz zu übernehmen.

(qua)
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