Julia Klöckner und Jens Spahn stellen Studie zu Schulessen vor.

Studie vorgestellt : Gesundes Schulessen würde nur vier Cent mehr kosten

Durchschnittlich 3,50 Euro zahlen Eltern für das Essen ihrer Kinder in Schulen. Bundesumweltministerin Julia Klöckner wirbt für flächendeckende Standards. Auch Forderungen nach dem Fach „Ernährung“ auf dem Stundenplan werden laut.

Für nur vier Cent pro Mahlzeit könnten Kinder nach Angaben von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) ein gesünderes Schulessen bekommen. Mit dieser Mehrausgabe könne in den Schulmensen eine Mittagsverpflegung angeboten werden, die den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspreche, sagte Klöckner am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung einer DGE-Studie. Der Untersuchung zufolge fördern die Kommunen das Schulessen mit bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Verpflegung ist damit zur Hälfte subventioniert. Eltern zahlen im Durchschnitt 3,50 Euro pro Mahlzeit.

Klöckner betonte, Schulessen müsse nicht teuer sein. „Wenn nur ein einstelliger Cent-Betrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben für die flächendeckende Anwendung des DGE-Standards“, sagte sie. „Denn es geht hier um eine Investition in die Gesundheit unserer Kinder. Das zahlt sich aus – für uns alle.“ Gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb Klöckner dafür, die DGE-Qualitätsstandards für Schulessen flächendeckend in allen Schulen zu verankern.

Die Standards sehen unter anderem ein tägliches Angebot von Getreide, Getreideprodukten, Kartoffeln, Gemüse und Salat vor. Mindestens einmal pro Woche soll es Seefisch geben und höchstens zweimal wöchentlich Fleisch oder Wurst.

Für die Studie, über die am Dienstag zuerst die Essener Funke Mediengruppe berichtet hatte, ermittelten die DGE-Forscher Speisepläne, Lebensmittelpreise, Lieferkosten, Personalkosten und sonstige Betriebskosten im gesamten Bundesgebiet. Dazu wurden den Angaben zufolge 1.072 Essenanbieter sowie 488 Schulträger aus allen 16 Bundesländern kontaktiert.

Dabei zeigte sich, dass es große Preisunterschiede bei den Mahlzeiten gibt: Essen weniger als 100 Kinder in der Schulkantine, sind laut Studie vor allem die Personalkosten vergleichsweise hoch. Eine Mahlzeit koste dort ohne staatlichen Zuschuss im Schnitt bis zu 7,46 Euro. Je mehr Kinder versorgt würden, desto geringer werde der Preis pro Mahlzeit. Er liege bei ganz großen Kantinen mit mehr als 600 Schülern zum Teil nur noch bei 3,57 Euro.

Klöckner kündigte eine weitere Unterstützung des Bundes für gesundes Schulessen an. Vom kommenden Jahr an würden die Mittel für Projekte der sogenannten Vernetzungsstellen Schulverpflegung der Länder auf zwei Millionen Euro pro Jahr verdoppelt, sagte die Ministerin.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sprach sich unterdessen für die Einführung eines Schulfachs Ernährung aus. „Die steigende Zahl übergewichtiger Kinder ist ein Alarmzeichen. Neben den Eltern sollte auch der Staat mehr für eine gute Ernährung tun“, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Guido Zeitler am Dienstag in Berlin. Wichtige Grundsteine für eine bessere Ernährung könnten in der Schule gelegt werden. „Mit einem eigenen Fach würden Kinder und Jugendlich das 'Einmaleins des Essens' lernen“, sagte Zeitler. „Dabei geht es nicht nur darum, was in den Lebensmitteln steckt, sondern auch, wie die Tiefkühlpizza oder der Joghurt produziert werden.“

(mlat/epd)
Mehr von RP ONLINE