Julia Klöckner: Landwirtschaftsministerin macht Video mit Nestlé-Chef Marc-Aurel Boersch

Missglückte Digital-Offensive : Ministerin Klöckner macht Video mit Nestlé-Chef - das fliegt ihr nun um die Ohren

Seit dem Rezo-Video versucht die Politik, den Fokus mehr auf die jungen Leute und die sozialen Medien zu legen. Das hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner beherzigt, dennoch kommt ihr Video im Netz mehr schlecht als recht an.

Wegen eines gemeinsamen Videos mit einem führenden Nestlé-Manager ergießt sich über Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) im Internet eine Welle der Kritik. Beim Kurznachrichtendienst Twitter beklagten zahlreiche User, Klöckner lasse sich von dem umstrittenen Lebensmittelkonzern für PR-Zwecke ausnutzen. Unter den Kritikern sind auch prominente Politiker: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf der Ministerin am Mittwoch vor, sie habe ein „Werbevideo“ für Nestlé gedreht, der SPD-Bundestagabgeordnete Karl Lauterbach bezeichnete den Vorgang als „peinlich, ja bitter“.

Das Landwirtschaftsministerium hatte am Montag im Internet ein kurzes Video veröffentlicht, wo Klöckner mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch vor der Kamera steht und das Unternehmen dafür würdigt, dass es den Zucker-, Salz und Fettgehalt seiner Lebensmittel reduziert habe. Die Netzgemeinde reagierte empört und sprach von Schleichwerbung, Lauterbach twitterte: „Klöckner lässt sich von Nestle Lobbyisten erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln und tritt dann bei PR-Event von Nestle auf.“

Klöckner verteidigte hingegen ihr Vorgehen und bezeichnete die Kritiker als „Hatespeaker“. Das Ministerium äußerte zwar Verständnis für die Kritik, steht aber weiter zu dem Treffen mit dem Nestlé-Chef: „Politik heißt, im Gespräch zu bleiben“, hieß es in einem weiteren Tweet.

Nestlé werden wie anderen großen Konzernen immer wieder fragwürdige Geschäfte vorgeworfen. 2010 prangerte die Umweltschutzorganisation Greenpeace an, dass das Unternehmen mit der Verwendung von Palmöl zum Anlegen der Plantagen und der Zerstörung von Regenwald beitrage. Nestlé hat versprochen, bis 2020 nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu nutzen.

Im Dokumentarfilm „Bottled Life“ wurde Nestlé 2012 vorgeworfen, in Weltregionen, die unter Dürre leiden, Geschäfte mit Grundwasser zu machen, das gereinigt und in Plastikflaschen teuer verkauft wird. In Pakistan sei das Unternehmen für die Austrocknung einer Region mit verantwortlich.

Das Unternehmen sagt, der Film zeige ein verzerrtes Bild und manipuliere die Zuschauer. Nestlé habe in der Region Lahore in Pakistan nur zwei Tiefbrunnen, während dort 680 000 Brunnen für die Bewässerung der Landwirtschaft sowie Industrie und die kommunale Wasserversorgung genutzt würden.

Auch Youtuber Rezo antwortete der Ministerin. Er schrieb, dass er als Influencer so ein Video, wie es Klöckner gepostet hat, als Werbung kennzeichnen müsste.

(mja/dpa)
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