Nach abfälliger Bemerkung über Senioren: JuLi-Chef Dittrich tritt zurück

Nach abfälliger Bemerkung über Senioren: JuLi-Chef Dittrich tritt zurück

Berlin (rpo). Der Chef der Jungen Liberalen, Jan Dittrich, tritt nach seiner abfälligen Bemerkung "Alte, gebt den Löffel ab" zurück. Er hatte am Mittwoch die Dreifach-Belastung der jungen Generation beklagt und die Rentner aufgefordert einen Teil ihrer Kohle rauszurücken. Politiker und Verbände zeigten sich empört, und auch FDP-Chef Guido Westerwelle wies die Äußerungen als "geschmacklos und unreif" zurück.

"Ich habe einen Fehler gemacht und trage hierfür auch die Konsequenz", erklärte der Chef der FDP-Nachwuchsorganisation am Freitag in Berlin. Dittrich hatte zuvor zugegeben, den Bogen überspannt zu haben. Er habe durch seine Aussage die Gefühle vieler Menschen verletzt, schrieb er in einer Pressemitteilung und bat gleichzeitig um Entschuldigung. "Diese Entgleisung ist ein Fehler von mir gewesen, den ich bereue", erklärte er weiter.

Er bitte "die Menschen in Deutschland in aller Form um Entschuldigung", erklärte Dittrich weiter. Dies gelte auch den JuLis und der FDP. Er habe nicht gewollt, dass seine Aussage das für ihn wichtige Thema der Generationengerechtigkeit "in solch ein falsches Licht rückt".

Dittrich hatte laut "Bild"-Zeitung vom Freitag in einer Presseerklärung gefordert, "dass die Alten von ihrem Tafelsilber etwas abgeben - einen Löffel oder besser gleich ein paar davon." Die junge Generation könne nicht gleichzeitig ihren Lebensunterhalt verdienen, für die Rente der Senioren aufkommen und privat für die eigene Zukunft vorsorgen, hatte Dittrich erklärt.

Schrader: "Unsachliche Pöbelei"

Auch die Jungen Liberalen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatten sich von den Äußerungen ihres Bundesvorsitzenden distanziert und Dittrich aufgefordert, sich zu entschuldigen. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende in Schleswig-Holstein, Heiner Garg, verlangte ein einem Brief an den FDP-Vorsitzenden, Westerwelle müsse Dittrich den Rücktritt und auch den Parteiaustritt nahe legen.

Es müsse ein unmissverständliches Zeichen gesetzt werden, "dass dieses Geschwätz nicht die geistige Haltung der FDP widerspiegelt", meinte Garg. Der Hamburger FDP-Chef Leif Schrader nannte die Aussagen eine "unsachliche Pöbelei".

Auch die Senioren-Union der CDU reagierte mit Empörung und sprach von "pubertärer Arroganz und absoluter Ahnungslosigkeit". Die Arbeitsgemeinschaft 60 plus der SPD verwies darauf, dass die ältere Generation maßgeblich den heutigen Wohlstand erarbeitet habe.

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"Wenn wir Alten heute alle die Löffel abgäben, hätte die junge Generation keine Zukunft mehr", erklärte der Bundesvorsitzende Otto Graeber. Auch die Deutsche Hospiz Stiftung reagierte empört und warf Dittrich vor, die Würde alter und kranker Menschen "mit solch brutalen Forderungen" zu verletzen.

Dittrich verhöhne "alte Menschen, die unser Land aufgebaut haben", sagte Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) der "Bild". "Solche Jungpolitiker dürfen weder Macht noch Einfluss bei uns bekommen." Juso-Chef Björn Böhning erklärte: "Die Marktradikalen gehen jetzt über Leichen".

Grünen-Geschäftsführerin Steffi Lemke erklärte in Berlin, Westerwelle habe sich einen Parteinachwuchs gezogen, der ihn "an dreister Rücksichtslosigkeit und Gefühlskälte" übertreffe. "Dittrich mag ein besonders dummdreister Vertreter seiner Zunft sein, den Weg für diese Provokation hat der Vorsitzende der Ellbogenpartei höchst persönlich geebnet", sagte Lemke. Die Grüne Jugend sprach von "menschenverachtende Äußerungen".

Blüm: "fehlende Tassen im Schrank"

Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm (CDU) sagte der "Bild": "Der soll sich um seine fehlenden Tassen im Schrank kümmern, bevor er die Löffel der Alten fordert." Die Senioren-Union der CDU sprach von "pubertärer Arroganz". Die FDP solle sich von Dittrich distanzieren.

Der bayerische Landesverband der Jungen Liberalen fordert wegen seiner Äußerungen zum Armutsbericht den Rücktritt des JuLi-Bundesvorsitzenden Jan Dittrich. Dittrich habe nicht nur "den Bogen überspannt", sondern dazu beigetragen, "das Klima zwischen den Generationen zu vergiften", sagte der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen Bayern, Martin S. Hagen, am Freitag in Würzburg.

Gleichzeitig verlangte er den Rücktritt Dittrichs. Dessen Aussage sei nicht nur eine "verbale Entgleisung", sondern "zutiefst unanständig" und schade nicht zuletzt dem Ansehen der JuLis.

(ap)
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