1. Politik
  2. Deutschland

JU stimmt in Mitgliederbefragung für Merz

Mitgliederbefragung der JU : Tiefschlag für Laschet

Das Ergebnis der Mitgliederbefragung der JU wird den Kampf um den CDU-Vorsitz noch weiter anheizen. Der erste Platz für Friedrich Merz ist zwar keine Vorentscheidung - aber Platz drei für Laschet eine schwere Schlappe.

Das Ergebnis der Mitgliederbefragung der Jungen Union ist keine Vorentscheidung über den CDU-Vorsitz. Und es ist auch keine Überraschung, dass der Kandidat Friedrich Merz diese Abstimmung der knapp 15.000 von 75.000 stimmberechtigten Mitgliedern der Nachwuchsorganisation auf Anhieb mit absoluter Mehrheit gewonnen hat. Schon beim JU-Kongress 2019 in Saarbrücken – da war der frühzeitige Rückzug der Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer als Parteichefin noch in weiter Ferne – wurde Merz frenetisch gefeiert, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nur artig beklatscht. Als Merz auch noch auf der Bühne mit JU-Chef Tilman Kuban eine Flasche Bier trank, war die Sehnsucht der JU-Delegierten im Saal erfüllt: Merz ist einer von uns.

Brisanz hat das Ergebnis der Parteijugend trotzdem: wegen der Plätze zwei und drei. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen, der in vielen Umfragen als aussichtsloser Außenseiter taxiert wurde und wird, liegt hier deutlich vor Laschet. Das kann dem Ministerpräsidenten nicht gleichgültig sein. Für ihn ist Röttgen so etwas wie ein Intimfeind. 2010 setzte sich Röttgen in einer Mitgliederbefragung der NRW-CDU zum Landesvorsitz gegen Laschet durch und fuhr bei der Landtagswahl 2012 ein historisch schlechtes Ergebnis für die Partei ein, er zeigte keine Ambitionen, die Folgen als Oppositionsführer im Landtag zu tragen, schließlich entließ Kanzlerin Angela Merkel ihn als Bundesumweltminister. Der Schaden für die NRW-CDU war groß.

Und nun liegt Röttgen bei der Jungen Union vor Laschet. Der CDU-Jugend von heute ist das Zerwürfnis von damals nicht präsent, sie weiß nicht, wovon die Älteren sprechen, wenn sie sich daran erinnern, dass Röttgen im Wahlkampf 2012 Kinder gesiezt habe. Die Jugend von heute erlebt Röttgen als ruhigen und prägnanten Außenpolitiker, der sich aus dem harten Kampf zwischen Merz und Laschet vor einer Woche um die Absage des Parteitags im Dezember öffentlich herausgehalten und Nerven behalten hat. Das kommt an.

Laschet möchte die CDU als Vorsitzender wieder zusammenschweißen. Dafür braucht er aber auch dringend das Vertrauen der Parteijugend. Bis zur geplanten Wahl des neuen Parteichefs kann noch viel passieren, es haben auch nur 20 Prozent der JU-Mitglieder abgestimmt und obendrein handelt es sich um eine geheime Vorstandswahl. Dennoch wird das jetzige Votum der JU den parteiinternen Wahlkampf anheizen. Denn die JU stellt zehn Prozent der Delegierten auf dem Parteitag. Bei einer Kampfkandidatur zählt jede Stimme wie die Wahl von Kramp-Karrenbauer 2018 gezeigt hat: Sie hatte nur 35 Stimmen Vorsprung vor Merz. Deshalb ist diese Mitgliederbefragung für Laschet erst einmal ein Tiefschlag.

(kd)