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JU für Merz als CDU-Chef

JU-Mitgliederbefragung : Laschet kein Liebling der Jungen Union

Die JU favorisiert wie erwartet Friedrich Merz als neuen CDU-Chef. Überraschend ist nur die schlechte Platzierung von Armin Laschet. Die Sehnsucht der Parteijugend gilt jedoch noch einem ganz anderen Mann.

JU-Chef Tilman Kuban hat ein Mikrofon in der Hand, in das er nicht sprechen kann, weil es nur eine Attrappe ist. Genauer gesagt ein Siegerpokal. Er steht symbolisch für eine Stimme, mit der die Parteijugend bei der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden sprechen will: Friedrich Merz - „Die Stimme der JU 2020“. Das ist jedenfalls das Ergebnis der Mitgliederbefragung der Jungen Union, das Kuban am Dienstag in Berlin bekannt gab. 51,9 Prozent empfehlen demnach die Wahl des einstigen Unionsfraktionschefs zum Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer, der Merz beim Parteitag 2018 knapp unterlegen war. Nun auf Anhieb absolute Mehrheit - auch wenn es sich nur um eine nicht bindende Willensbekundung von nur 20 Prozent der stimmberechtigen JU-Mitglieder handelt und die für Mitte Januar geplante Vorstandswahl geheim ist. Also keine Vorentscheidung, aber ein Stimmungstest.

Merz ist zufrieden. Er dankt via Twitter herzlich „für dieses großartige Ergebnis“. Er freue sich besonders über die starke Unterstützung der jungen Generation. Die JU gilt seit jeher als konservativ. Helmut Kohl war ihr Idol, Angela Merkel für sie immer eher nur eine mächtige Frau. Merz-Konkurrent Norbert Röttgen twittert auch: „28 Prozent bei der JU-Mitgliederbefragung sind ein starkes Ergebnis“, schreibt er. Der CDU-Außenexperte und frühere Bundesumweltminister ist für viele überraschend auf Platz zwei gekommen. Das zeige, meint er, „in der JU wollen viele die Modernisierung der CDU und dabei mitmachen.“ Er trete dafür ein, dass die CDU jünger, weiblicher und digitaler werde.

Der dritte Kandidat auf der Liste, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, meldet sich zu dem Zeitpunkt ebenfalls auf Twitter. Allerdings mit einer Weitergabe eines Statements des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz zum Terroranschlag in Wien. Laschet hat bei der JU-Mitgliederbefragung lediglich 20 Prozent erreicht. Platz drei. Das ist alles andere als ein Schub für den 59-Jährigen, der als einziger der drei Kandidaten Regierungsverantwortung hat. Seine Botschaft auf Twitter könnte man so lesen: Der NRW-Ministerpräsident beschäftigt sich mit Krisen in der Welt, dem Terror im Nachbarland, mit den Corona-Maßnahmen zuhause sowieso. JU-Befragungen müssen da - zumindest zu diesem Zeitpunkt – hintenanstehen.

Kuban begründet, warum Merz bei der CDU-Nachwuchsorganisation so beliebt sei: Der bald 65-Jährige richte den Fokus auf Generationengerechtigkeit, auf die Finanzierung der Renten, die Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft aus ökologischer Sicht. Und auch Röttgens zweiter Platz hat er eine Begründung. Röttgen habe ein klares europapolitisches Profil, das bei der JU gut ankomme. Im werde hohe Kompetenz zumessen. Und warum genau ist Laschet nur auf Platz drei gekommen? „Reine Mutmaßung“, antwortet Kuban. Welche? Sagt er nicht. Er wolle jetzt für Merz werben, weil er sich persönlich an das JU-Votum gebunden fühle. Er werde aber nicht gegen jemanden werben. Laschet halte er für einen „hervorragenden Ministerpräsidenten“.

Später verlautet aus der JU, Röttgens Erfolg sei schon eine „kleine Bombe“. Der 55-Jährige werde als „frisches Gesicht“ wahrgenommen, weil sich viele gar nicht mehr daran erinnern könnten, dass er 2010 gegen Laschet im Kampf um den NRW-Landesvorsitz gewonnen, dann aber die Landtagswahl 2012 vergeigt und sich außerdem noch gesperrt habe, in die Opposition in Düsseldorf zu gehen.

In der JU macht aber noch eine etwas verwegen anmutende Spekulation die Runde. Hätten die Mitglieder neben den drei Namen Merz, Laschet und Röttgen noch ein Kästchen „Sonstige Kandidaten“ ankreuzen können, wäre die Wahl wahrscheinlich anders gegangen, sagt ein führendes JU-Mitglied unserer Redaktion. Dann wäre es Jens Spahn geworden, ist er sich ziemlich sicher. Der 40-jährige Bundesgesundheitsminister vereine alles, wonach sich JUler sehnten: machtbewusst, kämpferisch, nahbar, dazu noch Bundesminister, in der Corona-Pandemie Krisenmanager und ein Mann, der für den Generationenwechsel stünde, den Parteien in anderen Ländern schon vollzogen hätten. Und JU-Chef Kuban sagt offen, er bedauere, dass sich Spahn nicht zur Abstimmung gestellt habe. Er hätte gut abgeschnitten, ist auch er sich sicher.

Spahn hat sich aber im Februar ins Team Laschet einbinden lassen – als Nummer zwei. Was die Bundes-CDU betreffe, könne man eine Kandidatur nicht besser angehen, als es Laschet getan habe: Den Liebling der JU und potenziell gefährlichen Konkurrenten Spahn einbinden, sich als Ministerpräsident mit einem professionell gemischten Kabinett präsentieren und als Bundesvize so oft wie möglich den Kurs vorgeben. Merz hingegen falle nicht als Teamplayer auf.

Man müsse aber nicht mit jeder Position von Merz einverstanden sein, auch er habe ihn schon kritisiert, sagt Kuban. Die Abstimmung habe gezeigt, dass sich die junge Generation in der CDU „wieder mehr Unterscheidbarkeit in der deutschen Politik wünscht“. Laschet, der für den liberalen Kurs der Mitte von Merkel steht, kann sich demnach kaum zum Liebling der CDU-Jugend entwickeln. Auf Stimmen aus der JU dürfte er aber angewiesen sein. Merz fehlten bei seiner Kampfkandidatur vor zwei Jahren 18 Stimmen zum Sieg. 100 der 1001 Parteitagsdelegierten sind JU-Mitglieder.

(kd)