Jörg Hoyer: Rede provoziert Nazi-Vergleiche

"Legida"-Video : Eine Rede weckt Erinnerungen ans "Dritte Reich"

Bei Demos von "Pegida" kann man vor lauter Parolen wie "Wir sind das Volk" oftmals sein eigenes Wort nicht verstehen. Umso größer ist nun das Interesse an einem Video, das Auszüge einer Rede auf einer "Legida"-Kundgebung dokumentiert.

Zahlreiche User reagieren erschrocken.

Auf dem Video zu sehen ist "Legida"-Veranstalter Jörg Hoyer. Veröffentlicht wurde es am 17. Januar, also vor der großen Demo am vergangenen Mittwoch, bei der es zu Ausschreitungen kam. Zu sehen und zu hören sind Ausschnitte aus einer Rede vom 12. Januar in Leipzig. In vollständiger Länge sind sie auch auf dem Youtube-Kanal von "Legida" festgehalten.

In der Aufzeichnung ist Hoyer auf einer schlecht ausgeleuchteten Bühne vor einer Menschenmenge zu sehen. "Wir sind das Volk", rufen einige von ihnen immer wieder. Hoyer, mit Schlapphut und langem Mantel, greift den Satz auf. Er spricht mit schnarrender Stimme. Die Hände stecken meistens in den Manteltaschen, manchmal holt er die linke heraus, und lässt sie zackig auf und ab fahren.

Dazu formt er laute Sätze, die in ihrem Stakkato und Wortwahl an den Sprachgebrauch längst vergangener Zeiten erinnern. Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnet er als Vasallen der DDR-Diktatur, der Bundesregierung attestiert er eine sklavische Ergebenheit gegenüber den Amerikanern. "Wir holen uns unsere Macht zurück! Wir — sind das Volk!", schreit er am Ende des Videos und ballt die Hand zu einer Faust. Einige in der Menge johlen.

Wie rechts ist "Legida"? Bei Youtube kursiert ein Video, das Wortführer Jörg Hoyer auf einer Demo in Leipzig, zeigt, der in Rhetorik und Duktus viele an das "Dritte Reich" erinnert.

Die Reaktionen auf die Ausschnitte bei Youtube sind eindeutig. Die überwiegender Mehrheit der Nutzer gibt dem Film eine negative Wertung. "Er klingt wie Hitler", heißt es in einem Kommentar. "Den Mist kann man sich gar nicht bis zum Ende anhören", ein anderer. Vergleiche mit dem berühmten Goebbels-Zitat "Wollt Ihr den totalen Krieg?" machen die Runde.

Hoyer hatte seinen Zuhörern Fragen zugerufen wie: "Habt Ihr eine Geschichte? Habt Ihr Werte? Habt Ihr eine Kultur?" Und endete mit der fragwürdigen Ansage: "Wir sind das Abendland! Wir sind wir selbst! Wir unterwerfen uns nicht!"

Anleihen beim Nazi-Vokabular

Auch sein Vokabular erinnert an das der Nazis. Er spricht von einer "Parteienkaste, die uns in den nächsten Krieg führt." Das Volk habe seine Stimme wiedergefunden und hole sich seine Macht zurück. Die "Vasallenregierung" unterdrücke Abgeordnete, werde von Amerikanern und Finanzinteressen kontrolliert und spiele das Volk gegeneinander aus. "Wir legen fest, wann unsere Kultur verändert wird. Weil wir Deutsche sind", ruft Hoyer.

In seinem Xing-Profil bezeichnet sich Hoyer als Historiker mit dem Schwerpunkt Militär, Wehrmacht, Uniformen. Wie seiner Website zu entnehmen ist, betreibt Hoyer ein Sachverständigenbüro für "Militärhistorik und Zeitgeschichte". Das dazugehörige Logo zeigt seine Initialen in altdeutscher Schrift, umrundet von zwölf gelben Sternen wie man sie von der EU-Flagge kennt.

"Legida" gilt als radikaler

Seinen Kunden bietet er unter anderem Gutachten zu Orden, Uniformen und Waffen an, sowie "Schicksalsrecherche nach deutschen Militärangehörigen". Zu seinem Angebot zählen außerdem Vorträge über Kampfhandlungen von deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg, die Bombardierung Dresdens ("Wahrheiten — Hintergründe — Opferzahlen") sowie Ausführungen zum "Mythos Bernsteinzimmer".

Das Video und die fragwürdige Figur Jörg Hoyer werfen ein bezeichnendes Licht auf den "Pegida"-Ableger von Leipzig. Mit den Gründern aus Dresden haben sich die Veranstalter um den 50-Jährigen offenbar überworfen. "Legida" gilt als radikaler. Im Positionspapier findet sich unter anderem die Forderung nach einer "Beendigung des Kriegsschuldkultes". Zudem sollen in Leipzig verstärkt Hooligans und Rechtsextreme eine neue Anlaufstelle gefunden haben.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung äußerte sich besorgt über die Gewaltbereitschaft der "Legida"-Anhänger: "Die Maske ist gefallen: Das waren doch sehr aggressive und sehr stark dem NPD-nationalen Lager zugeordnete Menschen." Jung denkt nun über Auflagen für die in der kommenden Woche angemeldete Kundgebung nach.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Januar 2015: Gewalt bei erster "Pegida"-Demo in Duisburg

(pst)
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