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Joachim Gauck warnt vor Rückkehr von Nationalismen

Bundespräsident wirbt für Zusammenhalt in Europa : Gauck warnt vor Rückkehr von Nationalismen

Joachim Gauck hat eindringlich für den Zusammenhalt in Europa geworben. "Eine Geschichte von der Rückkehr eines Europa der konkurrierenden Nationalismen möchte ich nicht erleben", sagte der Bundespräsident.

In einigen Mitgliedsstaaten sinke die Bereitschaft, sich weiterhin einzulassen auf eine gemeinsame Zukunft. Das Wachstum von Kritik in vielen europäischen Staaten sei "alarmierend", sagte Gauck im Rahmen der Zeremonie zur Verleihung des Aachener Karlspreises an den Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD).

Der Bundespräsident versicherte zugleich, Deutschland werde "ein verlässlicher Anwalt des europäischen Einigungsprozesses" bleiben. Es werde weiter "unbeirrt und intensiv" an der Union mitbauen. Nie sei Deutschland europäischer als heute gewesen, es sei ein "zuverlässiger Stabilitätsanker". Ohne die Union wäre Deutschland "nicht so stabil, nicht so sicher und nicht so frei".

Lob für EU-Reformen

Gauck lobte auch die bisherigen Reformanstrengungen in der EU. Es seien weitreichende Reformen eingeleitet worden, sagte der Bundespräsident. So werde die Union demokratischer, weil die Rechte des Europäischen Parlaments ebenso gestärkt seien wie das Initiativrecht der Bürger.

Die Eurozone wappne sich durch neue Regeln gegen künftige Finanz- und Schuldenkrisen. "Im Angesicht der russischen Landnahme in der Ukraine haben wir gemerkt: wenn unsere Union herausgefordert wird, agiert sie geschlossen und entschlossen", sagte Gauck zur Ukraine-Krise.

"Ideologien bedrohen den Frieden"

Der Bundespräsident erinnerte auch an weitere Krisen und Bedrohungen. Vor den Toren der Union sprächen die Waffen - ob in Libyen oder im Irak, in Syrien oder in der Ukraine. "Es sind oftmals Ideologen, Nationalisten, Fanatiker und Terroristen, die Frieden und Freiheit der Völker bedrohen", sagte Gauck. Es gehe um die Grundlagen der Friedensordnung, die Bedrohung grundlegender Werte und Haltungen sowie um Sicherheit. Immer wenn es um Fundamentales gehe, "ist es unerlässlich, dass wir Europäer eng zusammenrücken".

Gauck appellierte auch an die Verantwortung der Bürger: "Zum ersten Mal sind alle Bürger der Union gefordert, für das gemeinsame Europa zu streiten und zu kämpfen." Zum ersten Mal werde eine Krise im europäischen Einigungsprozess "nicht allein durch die Entschlossenheit politischer Eliten zu überwinden sein".

(AFP)