Geplanter Reform des Pflegebegriffs: Jeder Dritte könnte weniger Geld bekommen

Geplanter Reform des Pflegebegriffs: Jeder Dritte könnte weniger Geld bekommen

Die geplante Reform des Pflegebegriffs wird etliche Verlierer mit sich bringen. Das geht aus einer Untersuchung des Finanzwissenschaftlers Volker Ulrich von der Universität Bayreuth hervor.

"Bis zu 30 Prozent der Pflegebedürftigen werden schlechter gestellt sein als heute, wenn der Pflegebedürftigkeitsbegriff so geändert wird, wie es der Pflegebeirat vorgeschlagen hat", sagte Ulrich unserer Redaktion.

90 Prozent der Reformverlierer kämen aus dem ambulanten Bereich, betonte Ulrich. Dies sei vor dem Hintergrund, dass ambulante Pflege vor stationärer Pflege gefördert werden solle, besonders problematisch.

Eine Änderung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist Ziel der geplanten Pflegereform. Grundsätzlich soll der Bedarf an Leistungen nicht mehr nach Minuten bemessen werden, sondern nach dem Grad der Selbstständigkeit, den die Menschen noch haben. Bereits die große Koalition hatte eine Neudefinition angestrebt und dafür einen Pflegebeirat mit Konzepten beauftragt. Die Vorschläge wurden aber nicht umgesetzt.

Nun sind auch bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Bedenken aufgekommen, dass die Reform Härten mit sich bringen könnte. "Man kann nicht einfach einen neuen Pflegebegriff einführen, in dessen Folge es anschließend vielen besser geht, viele aber auch schlechter dastehen als heute", sagte sie vergangene Woche im Bundestag.

Ulrich hat ausgerechnet, dass von den zwei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland nach der Neudefinition, wie sie der Pflegebeirat bislang vorschlägt, zwischen 250 000 und 800 000 Menschen weniger Leistungen bekämen. Zwischen 600 000 und 1,6 Millionen Menschen würden von einer entsprechenden Reform profitieren.

Hier geht es zur Infostrecke: Pflege: Fakten aus der Allensbach-Studie 2009

(RP/rm)
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