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Charlie Hebdo: Deutsche Politiker warnen vor Spaltung der Gesellschaft

Vor Trauermarsch in Paris : Deutsche Politiker warnen vor Spaltung der Gesellschaft

Vor dem Trauermarsch in Paris zum Gedenken an die Opfer der islamistischen Anschläge haben Politiker in Deutschland zur Entschlossenheit, aber auch zur Besonnenheit aufgerufen.

"Den Triumph, dass wir uns fürchten, dürfen wir den Terroristen nicht gönnen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) der "Bild am Sonntag". Beeindruckt zeigte er sich von den zahlreichen öffentlichen Aktionen in Frankreich. De Maizière warnte zugleich davor, Islam und Islamismus gleichzusetzen. Die Täter würden lediglich "eine Religion zur Rechtfertigung von Mord missbrauchen".

Der Minister machte weiter deutlich, dass die Meinungs- und Kunstfreiheit auf jeden Fall verteidigt werden müsse: "Als Christ gefällt mir auch nicht jede Art von Kunst, die auf Kosten von Religionen provoziert. Aber auch solche Kunstformen sind mit gutem Recht in unserer demokratischen Werteordnung geschützt."

Vor einer Spaltung der Gesellschaft warnte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. "Wir dürfen nicht zulassen, dass nun die Muslime in ihrer Gesamtheit für die Taten weniger krimineller Terroristen verantwortlich gemacht werden", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Wetzlarer Neue Zeitung" am Sonntag. "Wir stehen fest an der Seite der überwältigenden Mehrheit der friedliebenden Muslime", hob Oppermann hervor.

"Die freie Welt führt einen Kampf gegen den Terrorismus und wir werden diesen Kampf gewinnen", erklärte der frühere Bundesinnenminister und Fraktionsvize der CDU/CSU, Hans-Peter Friedrich, am Sonntag in Berlin. Mit der Teilnahme an dem Trauermarsch in Paris wolle er die Solidarität mit Frankreich unterstreichen. Von deutscher Seite wollen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel, de Maizière sowie weitere Spitzenpolitiker an der Großkundgebung am Nachmittag teilnehmen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) warnte davor, als Konsequenz aus der islamistischen Bedrohung Religion aus Staat und Schule in Deutschland zurückzudrängen. "Diejenigen, die den Glauben und seine Symbole aus dem Bildungssystem und anderen staatlichen Bereichen verdrängen wollen, sind auf dem falschen Weg", sagte Wanka der "BamS". Sie plädierte für das Konzept "Wissen statt Vorurteile", auch durch die Ausbildung künftiger Islam-Lehrer an deutschen Schulen. "Bildung ist eines der wichtigsten Programme gegen Fanatismus und Terrorismus", sagte die CDU-Politikerin.

(AFP)