Internationale Pressestimmen: "Der Innenminister ist zum Erzfeind innerhalb der eigenen Regierung geworden"

Internationale Pressestimmen zur Regierungskrise : „Der Innenminister ist zum Erzfeind innerhalb der eigenen Regierung geworden“

Horst Seehofer scheint als Bundesinnenminister auf dem Absprung zu sein. Das europäische Ausland beobachtet die Regierungskrise sehr genau. Wir haben Pressestimmen gesammelt.

Die deutlichsten Worte findet der Kommentator der Londoner Zeitung „The Guardian“: Seehofers Rücktritt würde der deutschen Bundeskanzlerin vorübergehend eine Atempause verschaffen. „Denn damit würde ein Politiker verschwinden, der seit seinem Amtsantritt als Innenminister zu ihrem Erzfeind innerhalb der eigenen Regierung geworden ist.“

Einigen sich Merkels CDU und Seehofers CSU nicht, wäre das das Ende der „historischen Allianz“, meint der Kommentator. Das sieht auch der Kommentator der belgischen Zeitung „De Tijd“ so. Die deutsche Regierungskrise verhindert seiner Meinung nach auch eine Lösung in Europa. „Solange es der deutschen Regierung nicht gelingt, die interne Debatte beizulegen, bleibt es schwierig, an einer europäischen Lösung zu arbeiten.“

In dieser Situation könnte nicht nur Deutschland, sondern auch ganz Europa „in die Krise stürzen“, schreibt die Wiener Zeitung „Die Presse.“ „Für Vernunft ist es zu spät.“ Die Fronten zwischen Seehofer und Merkel sind nach Meinung des Kommentators verhärtet.

„Die Kanzlerin hat für ihre Migrationspolitik und die Verteidigung des europäischen Zusammenhalts teuer bezahlt“, heißt es in der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Serra“. Für den italienischen Journalisten ist Seehofer bereits zurückgetreten.

Das „Schweizer Tageblatt“ spekuliert über eine Nachfolge von Seehofer. Die Zeitung handelt den CSU-Landesgruppenschef Alexander Dobrindt als Nachfolger im Innenministerium. Doch der habe sich als „noch unerbittlicher“ erwiesen.

Mit Material der dpa

(heif)
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