Innenminister Horst Seehofer (CSU) will die Islamkonferenz neu auflegen

Muslime in Deutschland : Das Prinzip Hoffnung der Islamkonferenz

Innenminister Horst Seehofer (CSU) will die Islamkonferenz neu auflegen. Es ist zweifelhaft, ob sie künftig mehr bewirkt als in der Vergangenheit. Ein Kommentar.

Die Islamkonferenz ist vor zwölf Jahren ins Leben gerufen worden. Bei ehrlicher Betrachtung drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass das Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland damals unkomplizierter war, als es heute ist.

Bislang hat die Islamkonferenz auch ihr eigentliches Anliegen verfehlt. Ein zentrales Ziel war es, den Muslimen in Deutschland eine Stimme zu geben. Doch die Gruppen und Verbände sind untereinander so zerstritten, dass das niemals gelungen ist. Warum das mit einem Neustart nun besser werden soll, erschließt sich erst einmal nicht.

Dennoch ist der Versuch richtig, die Islamkonferenz neu aufzulegen. Die zu lösenden Aufgaben freilich sind enorm: Innenminister Horst Seehofer, der über Monate als Spalter aufgetreten ist, hat nun die richtigen Impulse gesetzt, indem er eine eigene Organisation und Finanzierung der Muslime in Deutschland fordert und sie dadurch von Einflüssen aus dem Ausland befreien will.

Bei der Islamkonferenz müssen noch viele andere strittige Alltagsfragen von der Ausbildung der Imame bis zum Schwimmunterricht für Mädchen diskutiert werden. Doch reden allein hilft nicht weiter. Bund und Länder sollten verbindliche Regelungen mit den Muslimen über das religiöse und gesellschaftliche Miteinander anstreben. Dafür müssen die Muslime in Deutschland endlich eine Vertretung organisieren, die für ihre Mehrheit spricht. Bei dieser Aufgabe können deutsche Regierungsorganisationen organisatorische Hilfe leisten. Die Einigung aber ist ureigene Aufgabe der hierzulande lebenden Muslime.

Dort, wo es nicht gelingt, mit Vereinbarungen Konsens über Selbstverständlichkeiten des gesellschaftlichen Miteinanders herzustellen, zu dem insbesondere die Gleichberechtigung der Frau, Respekt vor Homosexuellen und die Akzeptanz Anders- oder Nichtgläubiger gehört, dort muss der Staat die Regeln der freiheitlichen Grundordnung mit dem scharfen Schwert des Gesetzes verteidigen.

Positiv ist, dass auch Innenminister Seehofer die Debatte endlich von der ideologischen Auseinandersetzung um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, auf die Ebene der tatsächlich zu lösenden Probleme verlagert. Dort gibt es so viele dicke Bretter zu bohren. Es macht auch Sinn, dass künftig Projekte und nicht Arbeitskreise gefördert werden sollen. Mit schnellen Erfolgen ist dennoch nicht zu rechnen.

Allein die türkisch-islamische Ditib-Organisation, die von der türkischen Religionsbehörde aus Ankara gesteuert wird, spielt für die gläubigen türkischstämmigen Menschen in Deutschland eine zentrale Rolle. Sie hat hierzulande feste Strukturen und dominiert die von Türken besuchten Moscheen. Die schon seit Jahren bestehenden Bemühungen, Imame in Deutschland auszubilden, laufen überwiegend ins Leere, weil diese von den muslimischen Gemeinden oft nicht akzeptiert werden. Das muss sich ändern.

(qua)
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