Ingo Kramer befürchtet Schäden für das Image von Deutschland

Wirtschaftsstandort Deutschland : Arbeitgeber warnen vor Schäden durch "Pegida"

Wenige Tage vor weiteren "Pegida"-Demonstrationen haben Arbeitgeber und Politiker die Protestbewegung erneut kritisiert. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer befürchtet Schäden für das internationale Image des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

"Der Eindruck, dass bei uns gegen Ausländer demonstriert wird, schadet Deutschland", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut Vorabbericht vom Freitag. "Wir brauchen Zuwanderung für unseren Arbeitsmarkt und damit unsere Sozialsysteme auch zukünftig bei abnehmender Bevölkerung im Erwerbsalter funktionieren." In Not geratenen Flüchtlingen zu helfen, sei "unsere moralische Verantwortung", ergänzte Kramer.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte eine sachliche Auseinandersetzung mit den "Pegida"-Protesten. Der CSU-Politiker sagte der "Augsburger Allgemeinen", die Politik müsse sich angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen mit den Sorgen vieler Menschen auseinandersetzen.

Trotz bester Konjunktur gebe es Millionen armer Familien in Deutschland, so Müller. Vor allem in den Großstädten werde der Zuzug von immer mehr Flüchtlingen als Konkurrenz gesehen. Darauf müsse die Politik reagieren.

Nach einer Pause nach Weihnachten sind für Montag neue Demonstrationen angekündigt. Außer in Dresden soll es unter anderem erstmals auch in Köln eine "Pegida"-Veranstaltung und eine Gegendemonstration geben.

Führende Politiker lobten unterdessen die Ankündigung des Kölner Domkapitels, während der Kölner Demonstration der "Pegida"-Bewegung die Beleuchtung des Doms abzuschalten. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitag): "Ich finde das ein sehr beachtenswertes und auch richtiges Signal. Es deutet darauf hin, dass das Domkapitel und die Bürgergesellschaft in Köln sehr selbstbewusst ein anderes Signal als die Pegida-Anhänger setzen wollen. Ich kann das nur begrüßen."

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), erklärte: "Ich bin als Katholik und Politiker froh über dieses klare Zeichen der Abgrenzung in meiner Kirche." Stimmungsmache gegen Mitmenschen, zumal in Not geratene, sie "unchristlich". "Pegida" stehe für Dunkelheit.

FDP-Chef Christian Lindner sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Bei 'Pegida' geht es längst nicht mehr um Sorgen wegen unbestreitbarer Integrationsprobleme, sondern um einen Angriff auf die Liberalität unseres Landes. Dagegen muss man sich genauso wehren."

Der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff hatte angekündigt, als "unübersehbares Zeichen des Protests gegen Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Rassismus" werde der Dom am Montag zwischen 18.30 Uhr und 21.00 Uhr dunkel bleiben.

Die Abkürzung "Pegida" ist inzwischen mehrmals für das "Unwort des Jahres 2014" vorgeschlagen worden, wie die Darmstädter Professorin Nina Janich von der sprachkritischen Jury mitteilte. Eingereicht werden können Begriffe, die gegen die Menschenwürde oder gegen Prinzipien der Demokratie verstoßen. Das Unwort wird am 13. Januar in Darmstadt bekanntgegeben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Pegida"-Anhänger und Gegner demonstrieren in Dresden

(KNA)
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