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Gewinne von einer Million Euro pro Tag: Industrie setzt auf Pannen-Reaktoren

Gewinne von einer Million Euro pro Tag : Industrie setzt auf Pannen-Reaktoren

Köln (RPO). Alte Atomkraftwerke in Deutschland werden immer störanfälliger. Das verzeichnet das Bundesamt für Strahlenschutz. Als absurd bezeichnet es Umweltminister Sigmar Gabriel, dass die Industrie aber immer stärker auf die alten Meiler setze. Diese bescheren den Energiekonzernen Gewinne von einer Million Euro pro Tag.

Die "meldepflichtigen Ereignisse" nähmen bei älteren Kraftwerken auf jeden Fall zu, sagte BfS-Präsident Wolfram König am Donnerstag im Radiosender WDR2. Besonders die 1969 entworfene Baureihe tue sich hier hervor.

Sinn der Ausstiegsvereinbarung zwischen Bundesregierung und Industrie sei gewesen, die älteren Reaktoren, die potenziell größere Risiken beinhalten, vorzeitig vom Netz zu nehmen. "Was wir jetzt feststellen, ist der Versuch der Unternehmen, gerade von neueren Kraftwerken Reststrommengen auf ältere zu übertragen", sagte König. Dies sei nicht im Sinne des Gesetzgebers.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einer "absurden Situation". Hintergrund sei, dass ältere Kernkraftwerke bereits abgeschrieben seien und Gewinne von einer Million Euro pro Tag abwürfen, sagte er bei der Vorstellung des BfS-Jahresberichts 2006 in Berlin

Vor dem Hintergrund mehrerer Anträge zur Laufzeitverlängerung älterer Meiler kritisierte Gabriel die Weigerung der Energiekonzerne, Unterlagen für einen Sicherheitsvergleich mit neueren Kraftwerken vorzulegen. "Warum die Betreiber diese Frage wie der Teufel das Weihwasser scheuen, ergibt sich vielleicht aus den aktuellen Ereignissen um Krümmel", sagte der Minister und fügte hinzu: "Da wird man doch bösgläubig."

Das schleswig-holsteinische Atomkraftwerk Krümmel war in der vergangenen Woche abgeschaltet worden, nachdem in einem Transformatorgebäude ein Feuer ausgebrochen war.

Krümmel-Bedienstete sollen nun doch Auskunft geben

Bei der Aufklärung der Pannenserie im Kernkraftwerk Krümmel hat der Betreiber Vattenfall nun doch einem Gespräch des beteiligten Personals mit der Atomaufsicht zugestimmt. Dies teilte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am Donnerstag in Berlin mit. Die Befragung solle am kommenden Montag stattfinden.

Gabriel hatte darauf bestanden, den Schichtleiter und den Reaktorfahrer zu befragen, die während des Brandes in Krümmel am 28. Juni Dienst taten. Das Gespräch soll nach Gabriels Worten aufklären, warum nach dem Brand in einem Transformator die Sicherheitsvorkehrungen "nicht exakt so funktioniert haben wie ausgelegt" und warum verschiedene Fehler passierten. Es gehe nicht darum, die betroffenen Mitarbeiter zu Schuldigen abzustempeln. "Uns interessiert die Struktur der Abläufe", sagte der SPD-Politiker.

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Zeitweilig seien in der Warte des Kraftwerks 25 Mitarbeiter anwesend gewesen, berichtete Gabriel. Das lasse nicht auf ein "ordentliches Verfahren" schließen. Außerdem sei Rauch in die Warte eingedrungen, was auch nicht sein dürfe. Und es habe Kommunikationsprobleme gegeben. Nötig sei eine "sehr präzise Aufklärung", sagte Gabriel.

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(afp)