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In Berlin tobt ein Kampf zwischen Merkel und Seehofer

Analyse : Historische Tage in Berlin

Politik lebt vom Wechsel. Irgendwann bricht er sich Bahn.

Politik ist oft genug spröde. Da sitzen die Volksvertreter in Hinterzimmern gebeugt über kleingedruckte Papiere und tauschen Spiegelstriche: Stimmst du jenem Detail in der Pflegereform zu, mache ich in diesen Kompromiss im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität mit. Ein bisschen wie die Kinder beim Quartett: Ober sticht Unter.

Historische Stunden sind eher selten – zum Glück, möchte man sagen, wenn man auf die Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU blickt. Dieser Machtkampf wird die Republik verändern. Rückblickend werden diese Tage eine Zäsur darstellen, die das Anfang vom Ende der Ära Merkel eingeleitet haben. Offen ist noch die Frage, wie lange diese Phase dauern wird und ob die Kanzlerin sie selbstbestimmt zu Ende führen kann.

Dieser Machtkampf ist wie ein Tauziehen: Ende vergangener Woche musste Merkel im fernen Jordanien feststellen, dass ihr Plan zur europäischen Lösung der Flüchtlingskrise abgelehnt wurde, bevor man ihn diskutiert hatte. Die CSU konnte Boden gutmachen. Am Montagmorgen dann die Umfrage, dass die bayerischen Wähler die Brachialpolitik ihres Ministerpräsidenten Markus Söder nicht schätzen. Punkt für Merkel.

Rückblickend auf diese Tage wird man vor allem eine Frage immer wieder stellen müssen: Warum? Warum konnte dieser Streit, zu dem es kein akutes Problem gibt, derart eskalieren? Man wird andere Gründe finden als den aktuellen Zustrom von Flüchtlingen im Juni des Jahres 2018 nach Deutschland. Auf der Suche nach den Gründen wird man möglicherweise bei der Erkenntnis landen, dass Seehofer und Merkel zu viele Jahre Zeit hatten, in Spitzenpositionen ihre Feindschaft zu pflegen. Man wird vielleicht auch zu der Erkenntnis kommen, dass die Politik vom Wechsel lebt. Spätestens nach zwei Amtsperioden.

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Autorin: kolumne@rheinische-post.de