Einbürgerungen: Immer weniger Ausländer werden Deutsche

Einbürgerungen : Immer weniger Ausländer werden Deutsche

Wiesbaden (rpo). Immer weniger Ausländer in Deutschland lassen sich einbürgern. Im vergangenen Jahr wurden 117.240 ausländische Einwohner der Bundesrepublik deutsche Staatsbürger. Das sind 7,8 Prozent weniger als im Jahr 2004; so wenige wie zuletzt im Jahr 1998.

Unter denjenigen, die die deutsche Staatsangehörigkeit annahmen, waren die Türken die größte Gruppe, gefolgt von Neubürgern aus Serbien-Montenegro und Polen.

Insgesamt lag der Rückgang der Einbürgerungen gegenüber dem Vorjahr bei rund 10.000. Mit der Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts hatten die Einbürgerungen im Jahr 2000 mit 186.700 Personen den höchsten Stand erreicht. Seither sanken die Zahlen den Angaben zufolge jedes Jahr weiter. Allerdings habe sich der Rückgang 2005 mit minus 7,8 Prozent gegenüber den Vorjahren deutlich abgeschwächt. 2002 habe er noch 13,2 Prozent, im Jahr 2004 9,6 Prozent betragen.

Mit der im Frühjahr 2006 aufgekommenen politischen Diskussion über eine Verschärfung der Voraussetzungen zur Einbürgerung von Ausländern in Deutschland hat der Trend also offenbar nichts zu tun. Die Fraktion der Linkspartei im Bundestag sprach allerdings am Donnerstag von einem Misserfolg deutscher Integrationspolitik. Ihre migrationspolitische Sprecherin Sevim Dagdelen erklärte in Berlin, der Rückgang der Einbürgerungszahlen mache deutlich, dass die deutsche Politik dazu auf Abschreckung und Verhinderung von Einbürgerungen ausgerichtet sei.

Laut Statistischem Bundesamt erwarben fast zwei Drittel aller Eingebürgerten des Jahres 2005 die deutsche Staatsangehörigkeit auf Grundlage des Paragrafen 10 Absatz 1 Staatsangehörigkeitsgesetz, der einen mindestens achtjährigen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland und einen "verfestigten Aufenthaltsstatus" voraussetzt. In Deutschland lebende ausländische Ehegatten und minderjährige Kinder dieser Personen können dagegen nach kürzeren Zeiten eingebürgert werden. Die Zahl dieser Einbürgerungen fiel gegenüber dem Vorjahr aber dennoch überdurchschnittlich um 13,6 Prozent auf nur noch rund 17.200.

Mit knapp 32.700 Personen stellten die Eingebürgerten mit zuvor türkischer Staatsangehörigkeit wie schon in den vergangenen Jahren die größte Gruppe. Ihr Anteil ging jedoch gegenüber dem Vorjahr von 35 auf jetzt knapp 28 Prozent aller Einbürgerungen deutlich zurück. An zweiter Stelle folgten frühere Staatsangehörige aus Serbien und Montenegro mit 7,5 und aus Polen mit 5,9 Prozent. Genau wurden im vergangenen Jahr 32.661 Türken, 8.824 Serben und Montenegriner sowie 6.896 Polen eingebürgert. Es folgten ehemalige Bürger aus der Russischen Föderation, Iran, Irak, Marokko, Ukraine, Afghanistan, Kasachstan und Israel.

(ap)