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Drogenbericht der Bundesregierung: Immer öfter Koma-Trinken schon bei Kindern

Drogenbericht der Bundesregierung : Immer öfter Koma-Trinken schon bei Kindern

Berlin (RPO). Der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung legt einen alarmierende Befund vor. Demnach nimmt vor allem das exzessive Trinken bei Kindern und Jugendlichen stark zu. Innerhalb von sechs Jahren habe sich die Zahl der Krankenhauseinlieferungen wegen Alkoholvergiftung bei den 10- bis 20-Jährigen mehr als verdoppelt.

Während die 12- bis 17-Jährigen 2005 noch 34 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu sich nahmen, waren es im vergangenen Jahr schon 50 Gramm. Das geht aus der am Montag in Berlin vorgestellten Studie hervor.

Danach ist auch das sogenannte Binge Drinking bei Jugendlichen stark gestiegen, also der Konsum von fünf oder mehr alkoholhaltigen Getränken hintereinander. Während 2005 den Befragungen zufolge noch 20 Prozent der Jugendlichen ein Mal im Monat "gebingt" hatten, seien es 2007 schon 26 Prozent gewesen. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen von 10- bis 20-Jährigen wegen Alkoholvergiftungen habe sich von 2000 bis 2006 mehr als verdoppelt.

Vor diesem Hintergrund bereitet die Bundesregierung nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) derzeit ein nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention vor, das in den nächsten Monaten beraten werden soll. Dort würden auch die jugendlichen Konsumenten besonders berücksichtigt, sagte sie. Vor allem gehe es um mögliche Ursachen für Alkoholkonsum von Jugendlichen.

"Nicht zu unterschätzen ist hier der Einfluss der Alkoholwerbung, die teilweise ganz offensiv jugendliche Lebenswelten und Images anspricht", kritisierte Bätzing. Die negativen Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums kämen darin nicht vor. Die SPD-Politikerin sagte, sie setze sich daher für eine bessere Selbstkontrolle durch die Alkoholwirtschaft ein.

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist indes erstmals seit Jahren wieder gestiegen. 1394 Menschen starben 2007 an den Folgen des Konsums illegaler Suchtmittel, 98 mehr als 2006, wie Bätzing weiter mitteilte. Bätzing sprach von einer "überraschenden Wende", eine klare Ursache für die Entwicklung könne derzeit noch nicht genannt werden. Möglicherweise sei das zunehmende Alter der Rauschgiftabhängigen für die Zunahme verantwortlich. Die Zahl der Erstkonsumenten sei im dritten Jahr in Folge gesunken.

2006 waren in Deutschland so wenig Drogentote gezählt worden wie seit 1989 nicht mehr. Seit 2001 war die Zahl der am Drogenkonsum Verstorbenen kontinuierlich zurückgegangen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sechs Fakten zum Alkoholkonsum von Jugendlichen

(afp)