Druck in Flugblatt-Affäre wächst SPD fordert sofortigen Rücktritt Aiwangers

Exklusiv | Berlin · Nun erhöht auch die Bundesebene den Druck auf den bayerischen Vize-Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese fordert den sofortigen Rücktritt des Chefs der Freien Wähler. Auch Markus Söder sei gefordert.

Hubert Aiwanger: Das Leben des provokanten Politikers in Bildern
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Provokant, unvorhersehbar und „radikal“ – Das ist Hubert Aiwanger

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Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der Druck wächst auf Hubert Aiwanger. Erst Recht nach seiner jüngsten Äußerung in der Affäre um ein antisemitisches Flugblatt aus der Schulzeit des heutigen bayerischen Vize-Ministerpräsidenten. Er sei „seit dem Erwachsenenalter, die letzten Jahrzehnte: kein Antisemit, kein Extremist, sondern ein Menschenfreund“, hatte Aiwanger am Mittwoch vor den Kameras gesagt. Aus der SPD wird nun der sofortige Rücktritt Aiwangers gefordert.

Fraktionsvize Dirk Wiese sagte unserer Redaktion: „Das, was täglich Stück für Stück das Licht der Welt erblickt, ist eine Geisteshaltung, die nur noch eine Konsequenz haben kann: Rücktritt.“ Mittlerweile schüttelten Anhänger der Freien Wähler in den anderen Bundesländern „nur noch mit dem Kopf und sind fassungslos über Aiwanger“, fügte er hinzu. Bliebe der Chef der Freien Wähler noch länger im Amt, „wird das auch für Markus Söder mehr und mehr zum Problem“, sagte Wiese.

Söder hatte Aiwanger bei einer Krisensitzung des Koalitionsausschusses von CSU und Freien Wählern am Dienstag einen Katalog von 25 Fragen zu dem antisemitischen Flugblat aus dessen Schulzeit vorgelegt, die dieser schriftlich beantworten soll. Das Papier will Aiwangers Bruder verfasst haben. Zugleich hielt Söder vorerst weiter an seinem Vizeregierungschef fest. Eine Entlassung Aiwangers wäre nach jetzigem Sachstand ein „Übermaß“, sagte er. Neu sind Vorwürfe gegen Aiwanger von ehemaligen Mitschülern, wonach er in den 1980er Jahren beim Betreten des schon besetzten Klassenzimmers ab und zu „einen Hitlergruß gezeigt“ haben soll. Auch judenfeindliche Witze seien „definitiv gefallen“. Der „Bild“ sagte Aiwanger zum Vorwurf, den Hitlergruß gezeigt zu haben: „Mir ist nicht im Entferntesten erinnerlich, dass ich so etwas gemacht haben soll.“

Hubert Aiwanger steht erheblich unter Druck. Nun wird sein sofortiger Rücktritt gefordert.

Hubert Aiwanger steht erheblich unter Druck. Nun wird sein sofortiger Rücktritt gefordert.

Foto: dpa/Tobias C. Köhler

Der Landesvorstand der Freien Wähler in Bayern, der Vorstand der Landtagsfraktion und die Kabinettsmitglieder der Freien Wähler in dem Bundesland erklärten indes, „geschlossen“ hinter Aiwanger zu stehen, wie der bayerische Landesverband der Freien Wähler am Mittwoch mitteilte.

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