Horst Seehofer: CSU streitet über "ewigen Seehofer"

Personaldebatte : CSU streitet über "ewigen Seehofer"

Es ist nicht nur pure Lust am Durcheinanderbringen, die den CSU-Parteichef antreibt, eine neue Variante in die Personaldebatte einzustreuen. Es ist sein Versuch, bis zuletzt das Heft in der Hand zu behalten. Das aber ist riskant.

Ein breites Grinsen ist die Antwort auf die jüngsten Aufgeregtheiten rund um die bayerische Staatskanzlei. "Ich hab' immer schon gesagt, dass der ideale Nachfolger für Horst Seehofer eigentlich nur Horst Seehofer sein kann", meint ein CSU-Spitzenpolitiker. Er gehört erkennbar nicht zum Lager von Kronprinz Markus Söder und auch nicht zum Kreis um Kronprinzessin Ilse Aigner. Er ist sozusagen königstreu. Und es ist Seehofers Kalkül, dass es davon noch genug gibt, um seinen Laden ohne Gefahr für das eigene Überleben noch einmal tüchtig durcheinanderwirbeln zu können.

Denn seit den Erlebnissen Edmund Stoibers ist es hochriskant, das eigene Ausscheiden über den von allen erwarteten Moment hinauszuschieben. Mit der Bemerkung, er mache nie halbe Sachen, hatte der seinerzeitige bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Anfang 2007 in Wildbad Kreuth die Partei beruhigen wollen. Doch die Aussicht, angesichts schlechter Umfragewerte Stoiber bis 2013 nicht loswerden zu können, hatte eine Dynamik freigesetzt, durch die Stoiber binnen weniger Wochen gestürzt wurde.

Auch heute steckt der CSU der massive Stimmenrückgang bei der Europawahl in den Knochen, sehen erste Gegner des Parteichefs bereits eine Seehofer-Dämmerung näher-rücken. Einzig die Aussicht, dass die Karten bis 2018 ohnehin neu gemischt werden, lässt sie die Faust nur in der Tasche ballen.

Und so fielen nicht wenige aus allen Wolken, als Seehofer sich verklausuliert auch selbst wieder in der Nachfolgedebatte mit ins Spiel brachte. "Ich wüsste auch, was ich zu tun hätte, wenn kein ordentlicher Übergang möglich wäre", meinte Seehofer am Wochenende im Interview. Und damit die Botschaft auch verstanden wird, schob er ein "War das deutlich genug?" hinterher.

Der erste Rüffel kam von Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer: "Die Stimmung an der Basis ist klar: Sie will einen Wechsel zur nächsten Wahl." Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrichs Kritik klingt noch schärfer: "Niemand an der CSU-Basis hat Verständnis für öffentliche Personaldebatten", sagte Friedrich unserer Zeitung. Er könne nur davor warnen, die inhaltlichen Positionen der CSU "mit diesem Unfug zu überdecken". Die Themen, die Deutschland bewegten, hießen derzeit Flüchtlinge, Wirtschafts- und Steuerpolitik, Verteidigungspolitik - "und nicht Söder oder Seehofer", so Friedrich.

Wenn Seehofer (65) mit "geordnetem Generationenübergang" einfach nur meinen würde, dass die von Berlin nach München geholte Wirtschaftsministerin Aigner (49) das Rennen machen möge und nicht der umtriebige Finanzminister Söder (47), wäre die jüngste Volte schnell erklärt. Schließlich hat Seehofer Söder halböffentlich schon einmal der "Schmutzeleien" bezichtigt. Doch wenn er Söder nicht selbst für einen der Fähigsten hielte, wäre dessen Aufstieg ins Schlüsselressort nicht möglich gewesen.

Umgekehrt hat er gerade im Umfeld der letzten Wildbad-Kreuth-Klausur seine ausdrücklich "Kronprinzessin" genannte Wirtschaftsministerin thematisch mit ihrem Vorstoß zur Energiewende-Finanzierung aus dem Rennen geschossen. Zudem gab er seinem vormaligen Generalsekretär Alexander Dobrindt (44) auf dem Weg ins Berliner Verkehrsressort derart viel Rückenwind mit, dass jeder sehen musste: Hier wird ein weiterer Kronprinz aufgebaut.

Es gefiel Seehofer sichtlich, dass auch Staatskanzleichefin Christine Haderthauer als mögliche Kandidatin gehandelt wurde. Und natürlich versprach er dem einstigen Idol Karl-Theodor zu Guttenberg eine neue Zukunft in der CSU. Dieses Muster kannten schon die alten Römer: Divide et impera! Teile und herrsche!

Doch Haderthauer hat sich in der Modellautoaffäre selbst ins Aus manövriert, Guttenberg gab Seehofer einen Korb sogar für ein kleines Comeback beim Parteitag, Dobrindts Glanz ist unter Maut-Gesichtspunkten noch sehr übersichtlich. Somit standen plötzlich nur noch Söder und Aigner auf der Lichtung. Sie könnten versucht sein, sich ohne Seehofer auf eine Lösung zu verständigen.

Dass der bayerische Löwe schon lange vor dem Abtreten als "lahme Ente" erscheinen könnte, war für einen wie Seehofer offenkundig unvorstellbar. Beim Blick in den Spiegel fiel ihm ein, wie er das Tableau potenzieller Nachfolger wieder erweitern könnte.

(may-)