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Horst Ehmke: Früherer Politiker der SPD im Alter von 90 Jahren gestorben

Ehemaliger Minister : Früherer SPD-Politiker Horst Ehmke ist gestorben

Der frühere SPD-Politiker Horst Ehmke ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren in Bonn. Das teilte der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement im Namen der Familie mit.

Der in Danzig geboren Horst Ehmke war seit 1947 SPD-Mitglied. 1969 war er Bundesjustizminister, von 1969 bis 1972 Kanzleramtschef sowie von 1972 bis 1974 Bundesminister für Forschung und Technologie und Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen. Später schrieb er Krimis.

Der SPD-Politiker Horst Ehmke während der 2. Lesung der Haushaltsdebatte 1987 am 26.November 1986 im Bundestag in Bonn. Foto: dpa, mk olg

Seine politische Karriere begann der promovierte Jurist 1967 als Staatssekretär im Bundesjustizministerium bei Gustav Heinemann. Dort war er maßgeblich an der Erarbeitung einer Reihen von Gesetzen zur Strafrechtsreform beteiligt und machte mit seinen Arbeiten am Zukunftsprogramm in der SPD auf sich aufmerksam. 1969 wurde Heinemann zum Bundespräsidenten gewählt und Ehmke rückte als Justizminister nach.

Willy Brandt berief Ehmke nach dem Machtwechsel zum zum Chef seines Kanzleramtes mit Ministerrang. Als dieser wurde er schnell zu einem engen Vertrauten des Bundeskanzlers. Einige Politiker betrachteten ihn daher mit Argwohn, denn Ehmke hatte großen Einfluss auf Brandt. So musste der Jurist dann auch 1974 im Zuge der Guillaume-Affäre seinen Posten räumen. Er war es, der den DDR-Spion Günter Guillaume im Kanzleramt eingestellt hatte.

Für zwei Jahre ließ sich Ehmke danach erstmal als Jurist in Bonn nieder, zog dann aber wieder als Abgeordneter in den Bundestag ein. Dort fiel er besonders durch seinen bissigen Humor und seine Schlagfertigkeit auf. Ehmke hatte den Ruf eines Querdenkers und überzeugte immer wieder mit seiner hervorragenden Rhetorik.

Im Parteivorstand der SPD galt er als einer der Wortführer der "linken Mitte". Als einer der ersten in der SPD-Spitze erkannte er, dass die Sprachlosigkeit in Richtung der Grünen auf Bundesebene nicht ewig anhalten konnte. Auch die Kontakte zur FDP ließ der einstige Sozialliberale nie abreißen.

1994 stieg Ehmke aus dem Bundestag aus. 2007 wurde bekannt, dass Ehmke ab 1944 bei der NSDAP registriert war. Er gab damals an, bisher nichts davon gewusst zu haben.

Nach seiner bewegten politischen Karriere machte sich Ehmke einen Namen als Autor von Kriminalromanen. Dabei griff er oft auf seinen Erfahrungsschatz aus der Zeit im Justizministerium zurück.

Nordrhein-Westfalens SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft würdigte Ehmke als eine prägende Persönlichkeit der Bonner Republik. An der Seite von Willy Brandt sei er ein wichtiger Vordenker und Wegbereiter der Ostpolitik gewesen. "Von seinem politischem Engagement in der Zeit des Kalten Krieges profitieren wir in einem friedlichen Deutschland und Europa bis heute", heißt es in einer Mitteilung Krafts.

(rent/dpa)