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Wirbel um 25.000 Euro für Steinbrück: Honorar-Ärger wird zur Stadtwerke-Affäre

Wirbel um 25.000 Euro für Steinbrück : Honorar-Ärger wird zur Stadtwerke-Affäre

Bochum und seine Stadtwerke bleiben in den Schlagzeilen. Die Honorar- Affäre nach teuren Talkrunden mit Steinbrück, Gauck und Co. ist auch nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung noch nicht restlos aufgeklärt, vor allem was die Rolle Bochumer Beteiligter angeht.

Der Wirbel um Peer Steinbrücks 25.000-Euro- Honorar bei einer Talkrunde der Bochumer Stadtwerke weitet sich zu einer Affäre für die Revierstadt aus. Die Stadtspitze, mitverantwortlich für das Wirken der Tochtergesellschaft, versucht zurzeit das Schlimmste zu verhindern. Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) kündigte Sachaufklärung nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung an.

Was das heißt, blieb am Donnerstag weitgehend offen. Für den Bochumer Rat stellte sich die Frage, wer aufseiten der Stadtwerke Fehler gemacht hat und ob dafür jemand seinen Hut nehmen muss. Die Talkrunde wird jedenfalls eingestellt. Die Zeiten fünfstelliger Honorare sind vorbei.

Angefangen hatte das Dilemma in Berlin mit der Offenlegung der Honorare von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Dabei kam auch eine 25 000-Euro-Zahlung der Bochumer Stadtwerke für die Teilnahme am "Atrium-Talk" heraus, das Spitzenhonorar in der seiner langen Liste.

Neben der ungewöhnlichen Höhe sorgte auch die Aussage der Stadtwerke, das Honorar sei mit einer Spenden-Aufforderung verbunden gewesen, für Aufsehen.

Steinbrück will davon nichts gewusst haben und ging juristisch gegen die Stadtwerke vor. Das Energieunternehmen, das durch seine Beteiligungen am fünftgrößten deutschen Stromerzeuger Steag und dem Wasser- und Energieversorger Gelsenwasser kein Kleiner in der Branche ist, ruderte zurück und gab eine Unterlassungserklärung ab. Bei Steinbrück sei nicht auf die Spendenaufforderung hingewiesen worden.

Das bedeutet andersherum: Bei den anderen sieben Gäste wie Uli Hoeneß, Senta Berger, Peter Maffay oder Joachim Gauck sei das aber gemacht worden.

Stadtwerkechef Bernd Wilmert soll sogar dem Stadtrat gegenüber einmal erklärt haben, das Honorar sei für Soziales vorgesehen. Alles Lüge? Gauck, heute Bundespräsident, ließ zumindest verkünden, auch bei ihm habe es keine Spendenaufforderung gegeben.

An dieser Stelle kommt der weltgewandte Promi-Vermittler Sascha Hellen ins Spiel, der beim Thema Spendenaufforderung ja oder nein, eine Rolle gespielt haben dürfte. Bis auf die Einladung von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, die die Stadtwerke über ihren Kontakt zum VfL Bochum selbst organisierten, hat Hellen mit seiner Bochumer Agentur Hellen Medien Projekte GmbH die Verträge mit den Talk-Gästen geregelt.

Was der Mann, der in der Welt von hochrangigen Politikern bis hin zu Königen fast alles organisieren kann, vertraglich ausgemacht hat, ist schwer auszumachen. Er schweigt vornehm. Wahrscheinlich nicht mehr lange. Wilmert wirft ihm vor, den mündlichen Wunsch der Stadtwerke, die Honorare seien zu spenden, nicht an die Promis weitergegeben zu haben.

Die hoch verschuldete Revierstadt bleibt als "Mutter" der Stadtwerke damit in den Schlagzeilen. Sie hat womöglich durch die jeweils 87.000 Euro teuren Talkrunden weniger Gewinn von den Stadtwerken bekommen. Das hat schon jede Menge Kritik vom Steuerzahlerbund bis hin zu den politischen Gegnern von CDU oder FDP ausgelöst. Ein Trost bleibt den Stadtwerken. Weder der Innenminister als Kommunalaufsicht noch die Staatsanwaltschaft interessieren sich für die Honorare.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Peer Steinbrück

(lnw)