1. Politik
  2. Deutschland

Honecker-Enkel Roberto Yañez Betancourt will Erich und Margot in Berlin beisetzen

Letzter DDR-Staats- und SED-Parteichef : Honecker-Enkel will Erich und Margot in Berlin beisetzen

Erich und Margot Honecker sollten nach dem Wunsch ihres Enkels Roberto Yañez Betancourt in Berlin auf dem Friedhof der Sozialisten beigesetzt werden.

In einem neuen Buch enthüllte der 44-Jährige ein Familiengeheimnis, wie die „Berliner Zeitung“, der „Berliner Kurier“, die „Bild“-Zeitung und die „B.Z.“ am Samstag berichteten: Die Urnen seiner Großeltern seien in Chile bisher nicht begraben.

Der Wunsch des Enkels stößt in Berlin allerdings auf wenig Begeisterung. Der einstige DDR-Ministerpräsident in der Wendezeit nach Honeckers Sturz, Hans Modrow, und der Linke-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi halten den Friedhof der Sozialisten für denkbar ungeeignet. Modrow befürchtet gar eine Anlaufstelle für wütende Ex-DDR-Bürger, wie er dem „Berliner Kurier“ am Sonntag sagte.

Honecker war der letzte DDR-Staats- und SED-Parteichef, seine Frau Margot die mächtige DDR-Volksbildungsministerin. Den Grund für den Wunsch des Enkels nannte dessen Mitautor Thomas Grimm in dem Buch „Ich war der letzte Bürger der DDR“, das am Montag (10. September) erscheint: Es sei immer der Wunsch Erich Honeckers gewesen, „in Deutschland seine letzte Ruhe zu finden - am liebsten in seinem saarländischen Geburtsort in Neukirchen“, sagte Grimm der „Berliner Zeitung“.

Margot Honecker lebte seit Anfang der 1990er Jahre in Santiago de Chile bei ihrer Tochter Sonja, die mit einem Chilenen verheiratet war. Auch ihr Mann Erich Honecker reiste Anfang 1993 nach Chile aus, nachdem in Deutschland der Prozess gegen ihn wegen Totschlags von DDR-Flüchtlingen wegen seiner Krebserkrankung eingestellt worden war. Er starb dort 1994 im Alter von 81 Jahren.

Die einstige First Lady der DDR habe die Urne ihres Mannes bis zu ihrem eigenen Tod 2016 bei einem guten Bekannten gelassen. Dieser bewahre jetzt auch ihre Asche auf, hieß es.

Die Tochter Sonja wolle die Asche ihrer Eltern dem Pazifik übergeben. Ihr Sohn, Honeckers Enkel Roberto, betrachte seine Großeltern dagegen als Personen der deutschen Zeitgeschichte und halte es deshalb für richtig, sie in Deutschland zu beerdigen. „Am besten auf dem Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde an der Seite ihrer ehemaligen Genossen“, beschrieb Grimm den Wunsch Robertos.

Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger sieht ebenfalls keinen Grund, dem letzten DDR-Machthaber ausgerechnet dort die letzte Ruhestätte zu geben. Honecker sei mit dafür verantwortlich gewesen, „dass Berlin und Deutschland 28 Jahre geteilt waren und dass an dieser Grenze viele Menschen starben und verwundet wurden“.

  • Die AfD-Politiker Alexander Gauland, Alice Weidel
    Bundesparteitag in Augsburg : AfD provoziert mit Hitler- und Honecker-Vergleich
  • Termin, Umfrage, Koalitionen : Das müssen Sie zur Bundestagswahl 2021 wissen
  • Symbolbild.
    Parteien im Vergleich : Wann erscheint der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021?

Roberto Yañez ist Maler, Lyriker und Musiker und lebt in Chile. Er hatte nach dem Mauerfall mit seiner Familie seine Heimatstadt Berlin verlassen. In dem Buch beschreibe er auch seine schwere Drogen- und Alkoholabhängigkeit, so die „B.Z.“. Seine Großmutter habe ihn zu Entzug und Therapie nach Kuba geschickt.

(felt/dpa)