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Homosexuelle wollen in CDU-Satzung verankert werden

Beim Bundesparteitag : Homosexuelle wollen in CDU-Satzung verankert werden

Beim Bundesparteitag im Dezember wird nicht nur ein neuer Parteivorsitzender gewählt, sondern auch über die Satzung abgestimmt werden. Die Homosexuellen werden darin vorkommen, an welcher Stelle auch immer.

Alexander Vogt kann es auf die Sekunde genau sagen, wann die Akzeptanz von Schwulen und Lesben in der CDU für ihn Wirklichkeit wurde. In dem neuen, zwei Minuten kurzen Werbevideo der Partei bei 1:31, da blitzt das Bekenntnis auf: „Familie ist, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.“ Dazu ein Hochzeitsfoto mit zwei Frauen und ein Familienfoto zweier Väter mit Kind. „Gänsehaut“, sagt Vogt, der Vorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) unserer Redaktion.

Eine Hürde muss sein 800 Mitglieder zählender Bundesverband zur völligen Anerkennung in der Partei allerdings noch nehmen: die Verankerung in der CDU-Satzung. Dann gehören die Homosexuellen auch ganz offiziell zur Parteifamilie. Welchen Status die Gruppe aber genau bekommt, ist in der Struktur- und Satzungskommission noch umstritten.

Vogt sagt: „Die Signale stehen gut, dass es eine in unserem Sinne positive Änderung des Status in der CDU geben wird.“ Auch JU-Chef Tilman Kuban wünscht sich ein „positives Signal, dass Homosexuelle in der Union noch stärker eingebunden und ihre Themen gehört werden“. Er plädiere dafür, „dass die Gruppierung Schwule und Lesben in der Union in der Parteisatzung anerkannt wird“. Aber: „Ob die LSU in der Satzung als Vereinigung wie die Junge Union oder als Sonderorganisation wie die Hochschulgruppen des RCDS oder als neues Netzwerk geführt wird, ist eine Formsache, die wir gerade in der Struktur- und Satzungskommission besprechen.“

Gegen die Aufnahme in die begehrte Kategorie Vereinigungen – das sind etwa die Junge Union mit mehr als 100.000 Mitgliedern, die Senioren-Union, die Frauen-Union, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft und die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung – stemmen sich noch Parteimitglieder, die die LSU dafür als zu klein und damit zu unbedeutend empfinden. Vereinigungen in der CDU haben besondere Rechte: Sie können auf Parteitagen Anträge stellen, haben einen Platz im Bundesvorstand und bekommen finanzielle Unterstützung.

Der Videoclip der CDU ist eine Einstimmung darauf, dass das Konrad-Adenauer-Haus zu dem kommen will, was in anderen Parteien selbstverständlich ist. So heißt es: „Wir wissen, wir haben die Zeichen der Zeit nicht immer gleich erkannt.“ Dann kommen die Schlagwörter „Frauenbewegung“, „Klimaschutz“ und die Bilder zu den gleichgeschlechtlichen Ehen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir wollen, dass Menschen jeder Altersgruppe, jeden Geschlechts, jeder Berufsgruppe und jedes Bildungsabschlusses ihre politische Heimat in der CDU finden. Dazu ist es unabdingbar, dass wir unsere Partei noch breiter aufstellen.“

Am 20. Oktober 1950 wurde die CDU auf einem Parteitag in Goslar gegründet. Das neue Werbevideo beginnt mit: „120 Sekunden für 75 Jahre Verantwortung, 50 Jahre Regierung, fünf Bundeskanzler, eine Partei.“ In rasanten Sequenzen wird die Geschichte erzählt vom Kriegsende, dem Wirtschaftswunder bis zur Corona-Krise. Beim Bundesparteitag im Dezember wird nicht nur ein neuer Parteivorsitzender gewählt, sondern auch über die Satzung abgestimmt werden. Die Homosexuellen werden darin vorkommen, an welcher Stelle auch immer. 75 Jahre nach Parteigründung.