Neue Zahlen des Arbeitsministeriums Mehr als zwei Millionen Menschen arbeiten komplett im Homeoffice

Exklusiv | Berlin · Die Nutzung des Homeoffice ist durch die Corona-Pandemie deutlich gestiegen: Heute arbeiten fast vier Mal so viele Beschäftigte sogar komplett von zuhause aus als vor Corona im Jahr 2019. Bei Männern ist das Homeoffice sogar noch beliebter als bei Frauen.

 Immer mehr Angestellte nutzen die Möglichkeiten des Homeoffice und arbeiten sogar komplett von zuhause aus.

Immer mehr Angestellte nutzen die Möglichkeiten des Homeoffice und arbeiten sogar komplett von zuhause aus.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die Zahl der abhängig Beschäftigten in Deutschland, die komplett vom Homeoffice aus arbeiten, hat sich durch die Corona-Krise nahezu vervierfacht. Betraf dies vor Corona im Jahr 2019 erst 674.000 Arbeitnehmer, waren es 2022 bereits knapp 2,3 Millionen oder sechs Prozent aller abhängig Beschäftigten. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Susanne Ferschl hervor.

Demnach hat sich die Zahl der Beschäftigten mit Homeoffice-Zeiten insgesamt seit Corona mehr als verdoppelt: Nutzten 2019 vor der Pandemie rund zehn Prozent der abhängig Beschäftigten oder 3,6 Millionen ab und zu das Homeoffice, so waren es im vergangenen Jahr bereits 22,6 Prozent oder 8,4 Millionen.

Das Ministerium stützt sich bei den Angaben auf letztverfügbare Daten aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Sie decken sich weitgehend mit den jüngsten Umfrageergebnissen des Münchner Ifo-Instituts, wonach inszwischen etwa jeder vierte Beschäftigte die Homeoffice-Möglichkeiten nutzt. Die Zahlen der Regierung geben noch einen tieferen Einblick über Altersgruppen und Geschlecht der Nutzer.

So ergibt sich bei der Arbeit von zuhause aus ein kleiner Überhang bei den Männern: Unter den 8,4 Millionen Beschäftigten mit Homeoffice-Erfahrungen im Jahr 2022 waren 47 Prozent Frauen und 53 Prozent Männer. Die Nutzung von Homeoffice hat 2022 gegenüber 2019 zudem in allen Altersgruppen deutlich zugenommen und hält sich auch nach dem Ende der Corona-Beschränkungen auf hohem Niveau.

So waren von den insgesamt 8,4 Millionen Homeoffice-Arbeitern im Jahr 2022 jeweils etwa ein Viertel oder rund zwei Millionen Beschäftigte in den Altersgruppen zwischen 25 und 34 Jahren, zwischen 35 und 44 Jahren und 45 bis 54 Jahren zu finden. 2019 waren die Zahlen in diesen drei Altersgruppen jeweils um etwa zwei Drittel geringer. Unter den ganz jungen Beschäftigten zwischen 15 und 24 Jahren hat sich die Zahl der Homeoffice-Nutzer zwischen 2019 und 2022 sogar von 100.000 auf 400.000 vervierfacht. Bei den älteren Beschäftigten zwischen 55 und 64 Jahren hat sie sich ungefähr verdreifacht: Arbeiteten in dieser Altersgruppe 2019 erst 646.000 Beschäftigte von zuhause aus, so waren es 2022 bereits gut 1,5 Millionen.

„Es braucht Schutzmaßnahmen, damit die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit nicht vollends verschwimmen“, sagte Linken-Politikerin Ferschl. „Zahlreiche Studien belegen, dass Beschäftigte durch ständige Erreichbarkeit, erhöhte Flexibilitätsanforderungen und Arbeitsverdichtung einer höheren Stressbelastung ausgesetzt sind. Deshalb müssen auch die Arbeitgeber durch klare Regelungen – wie etwa die Arbeitszeitdokumentation oder ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit – in die Pflicht genommen werden“, forderte sie. „Für Beschäftigte, deren Arbeit eine Präsenz im Betrieb erfordert und für die ein Recht auf Homeoffice ins Leere läuft, braucht es einen Ausgleich. Zum Beispiel eine Anerkennung von Wegezeiten als Arbeitszeit“, sagte Ferschl.

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