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Holocaust-Überlebende und Frankfurter Ehrenbürgerin Simonsohn ist tot

Im Alter von 100 Jahren : Holocaust-Überlebende und Frankfurter Ehrenbürgerin Simonsohn gestorben

Auch mit mehr als 90 Jahren engagierte sie sich unermüdlich dafür, junge Menschen über die NS-Verbrechen aufzuklären. Sie selbst war eine Überlebende des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz. Nun ist die Frankfurter Ehrenbürgerin Trude Simonsohn gestorben.

Die Frankfurter Ehrenbürgerin und Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist im Alter von 100 Jahren am Donnerstag gestorben. Das teilte die Jüdische Gemeinde Frankfurt mit. Salomon Korn, der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde, bezeichnete sie als „bemerkenswerte, herausragende Frau“.

„Als Shoa-Überlebende hat sie sich für Versöhnung und ein respektvolles Miteinander in unserem Land eingesetzt“, betonte Korn. „Durch ihr unermüdliches Engagement, insbesondere jungen Menschen in Schulen vom Erlebten zu berichten, wirkte sie für eine friedlichere Gesellschaft. Trude hat ihren Lebensweg auch stets voller Hoffnung und Mut gestaltet und glaubte an eine bessere Welt, die aus ihrer Vergangenheit gelernt hat.“

„Dass sie unserem Land, unserer Stadt nach allem, was wir ihr und ihrer Familie angetan haben, eine zweite Chance gab, ist für mich bis heute ein unbegreifliches Geschenk“, würdigte der Frankfurer Oberbürgermeister Peter Feldmann die Verstorbene. „Verdient hatten wir es nicht. Aber wir haben es gebraucht. Trude Simonsohn stand nicht nur für das, was war, sondern vor allem für das, was sein kann. Eine Zukunft ohne Hass, eine offene Gesellschaft, eine Kultur des Respekts.“

Jahre der Verfolgung und KZ-Haft hätten Trude Simonsohn darin bestärkt, sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen – und dabei vor allem die junge Generation anzusprechen und zu berühren, hieß es in einem Nachruf der Bildungsstätte Anne Frank. Sie habe junge Menschen in unzähligen Zeitzeugengesprächen auf eine besondere Weise zu erreichen gewusst und ermuntert, sich mit der Geschichte von Nationalsozialismus und Holocaust auseinanderzusetzen: „Sie sprach Jugendliche ganz selbstverständlich auf Augenhöhe an, nahm sie in ihren Ansichten und ihrem Engagement ernst“, hieß es.

„Mit Trude Simsonsohn verlieren wir nicht nur eine unermüdliche Kämpferin für die Erinnerung an die Shoah und gegen aktuelle Formen von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit“, sagte Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte, der mit Simonsohn auch persönlich befreundet war. „Trudes Lebensfreude, ihr Humor und ihre klare politische Haltung sind einmalig. Für Trude gibt es keinen Ersatz.“

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„Trude Simonsohn war eine ihren Mitmenschen zugewandte Persönlichkeit, getragen von der Hoffnung, dass die Menschen aus der Geschichte zu lernen bereit sind, um ihre Zukunft in Frieden und Freundlichkeit zu gestalten“, sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. „Gerade in Zeiten antisemitischer Verschwörungstheorien und neuem rechtsextremem Hass wird uns Trude Simonsohn bitterlich fehlen.“ Holocaust-Überlebende seien Simonsohn dankbar „für die vielen Gespräche, die sie jungen Menschen gewidmet hat, um von ihren mörderischen Erfahrungen des Hasses, des Antisemitismus und der Gleichgültigkeit so vieler Augenzeugen zu erzählen.“

Die 1921 in der damaligen Tschechoslowakei - in Olmütz im heutigen Tschechien - geborene Simonsohn hatte sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagiert und die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt. Seit 1955 lebte sie in Frankfurt, wo sie sich beim Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde engagierte und als erste Frau den Vorsitz der Gemeinde übernahm.

Als Zeitzeugin ging Simonsohn seit Jahrzehnten an Schulen, um Jugendlichen über ihr Leben zu berichten. Erst mit weit über 90 Jahren musste sie ihr Engagement wegen ihres verschlechterten Gesundheitszustands einstellen. Im Jahr 2016 war sie als erste Frau zur Ehrenbürgerin Frankfurts ernannt worden.

(zim/dpa)