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Nach dem Amoklauf von Lörrach: Hilft ein schärferes Waffengesetz?

Nach dem Amoklauf von Lörrach : Hilft ein schärferes Waffengesetz?

Lörrach (RPO). Ist unser Waffengesetz streng genug? Nach Amokläufen wie dem jüngsten in Lörrach kommt diese Frage schnell wieder auf und wird heftig diskutiert. Ein Aktionsbündnis fordert mit dem Slogan "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" ein eindeutiges Verbot. Politiker reagieren skeptisch.

Sie war Anwältin, und sie war Sportschützin. Sie besaß mehrere Waffen, und schoss in Lörrach mit einer kleinkalibrigen Waffe um sich. 300 Schuss Munition hatte sie mit sich - ganz legal. Und genau darin sehen viele das Problem und fordern eine erneute Verschärfung des Waffenrechts, die Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" sogar ein totales Verbot tödlicher Sportwaffen.

Wie üblich nach einer solchen Schreckenstat streiten sich Politiker aller Parteien, ob eine Verschärfung des Waffengesetzes nötig ist. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) etwa lehnt ein Verbot von Schusswaffen in Privatwohnungen als "kontraproduktiv" ab, wie er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte. Und auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, spricht sich gegen zentrale Sammelstellen aus.

Egal, wie die Diskussion diesmal ausgeht. Das öffentliche Entsetzen über Gewaltausbrüche hat die Politik regelmäßig zum Handeln gezwungen. So wurde das deutsche Waffengesetz in den vergangenen sechs Jahren dreimal verschärft — zuletzt im Jahr 2009 als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden. Das sieht unter anderem nun vor, die Waffenbesitzer stärker zu kontrollieren und zu prüfen, ob sie im Alltag eine Waffe tatsächlich benötigen.

Klagen der Betroffenen

Für die Betroffenen aber gehen deartige Verschärfungen nicht weit genug, wie etwa das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden stets anmerkt. Andere beklagen, dass es nicht genügend Personal bei den Behörden gebe, um tatsächlich die Waffenbesitzer wie vorgesehen zu kontrollieren.

Doch es gibt einen Unterschied zu den vorherigen Diskussionen. Denn der Fall ist diesmal anders gelagert. Erfurt, Emsdetten, Winnenden - das alles waren Amokläufe in Schulen, verübt von Jugendlichen. Und die Frage stand im Mittelpunkt, wie diese an die Waffen gelangen konnten.

Die Frage der Verantwortung der Erwachsenen steht dabei heute ebenfalls noch im Raum. Schließlich läuft gerade ein Verfahren gegen den Vater des Winnender Amokläufers Tim K. wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Er soll seine Waffe nicht ordnungsgemäß aufbewahrt haben.

In Lörrach handelte es sich bei der Amokläuferin um eine erwachsene Frau, die als Sportschützin aktiv war. Die Verschärfung des Waffengesetzes und entsprechende Kontrollen haben in diesem Fall also nichts bewirkt. Und so wird der Ruf nach einer noch strengeren Regelung laut.

Zehn Millionen Waffen

Doch das Dilemma des Waffenrechts bleibt. Schätzungsweise bis zu zehn Millionen legale Waffen gibt es in Deutschland. Eine genaue Zahl wird erst mit der Einführung des Waffenregisters im Jahr 2012 bekannt sein. Und sollten Sportschützen ihre Waffen nicht mehr daheim, sondern in einer zentralen Sammelstelle aufbewahren, wäre dies nur ein verlagertes Problem. Jugendliche wie Tim K. wären dann nicht an die Waffe gekommen. Eine Sportschützin wie die Frau in Lörrach dagegen schon.

Der Sprecher der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" hatte daher auch Verfassungsklage eingereicht. Darin wird gerügt, dass das Waffengesetz das Recht auf Ausübung des Schießsportes in unzulässiger Weise über das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit stellt. Doch auch ein Verbot tödlicher Sportwaffen würde nicht jede Tragödie verhindern. Denn illegale Waffen gibt es auch weiterhin.

Alles in allem zeigt die Diskussion aber, wie sensibel das Thema Waffenrecht inzwischen in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Und trotz aller Kritik betreibt die Politik mehr als Flickschusterei, denn den Ernst der Lage hat sie erkannt. Gesetzesänderungen sollten aber durch eine aktive Umsetzung dieser Regelungen gestärkt werden und nicht die Betroffenen im Regen stehen lassen.

Dazu muss die Regierung eben auch Geld in die Hand nehmen, so dass etwa ausreichend Personal für die Kontrollen der Waffenbesitzer zur Verfügung steht. Und es geht nicht nur um Waffenverbote, sondern auch um Schulung von Polizisten, Schulen und Behörden. Es geht um Warnsysteme und Notfallpläne. Denn dies alles kann Leben retten und vorbeugen.

Bei aller Umsicht, Gesetzesverschärfungen und Vorsichtsmaßnahmen bleibt aber eine traurige Gewissheit: Eine hundertprozentige Sicherheit vor Amokläufen wird es nie geben — das zeigt das Beispiel Lörrach.