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Unicef in der Krise: Hilfswerk muss weiter um Spendensiegel fürchten

Unicef in der Krise : Hilfswerk muss weiter um Spendensiegel fürchten

München (RPO). Auch nach dem Rücktritt von Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs muss das Kinderhilfswerk um sein Spendensiegel fürchten: Der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Burkhard Wilke, kündigte an, weiterhin zu prüfen, ob Unicef das Spendensiegel aberkannt wird.

"Der Rücktritt ist eine personelle Frage, die helfen kann, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, aber das ändert die Strukturen nicht", sagte Wilke in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Das Institut vergibt dem Blatt zufolge jedes Jahr das Spendensiegel an mehr als 200 Organisationen. Unicef war vorgeworfen worden, undurchsichtige Beraterverträge abgeschlossen und Spendengelder verschwendet zu haben. In den vergangenen Wochen hatten sowohl die zurückgetretene Vorsitzende Heide Simonis als auch Großspender und Vertreter aus der Politik einen Wechsel an der Spitze von Unicef gefordert.

Wilke kritisierte die Strukturen der Unicef-Führung und die mangelnde Kommunikation zwischen ehrenamtlichem Vorstand, angestellter Geschäftsleitung und den Arbeitsgruppen vor Ort. Zudem müsse der Geschäftsbericht transparenter werden, um Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.

Ermittlungen gegen Garlichs

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete vorab, die Staatsanwaltschaft Köln ermittle gegen Garlichs wegen des Verdachts der Untreue. Am Donnerstag habe man Wirtschaftsprüfer von KPMG zu Einzelheiten ihres Sondergutachtens zu den Untreuevorwürfen angehört, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld dem Blatt. Des Weiteren überprüfe man im Zusammenhang mit einer Lidl-Spende von einer halben Million Euro eine Provisionszahlung an den Spendensammler Victor Lietz. Dieser habe 30 000 Euro kassiert, ohne die Großspende akquiriert zu haben.

Ein weiterer Punkt auf der Liste der Ermittler seien die Tagessätze des Marketingexperten Ullrich Zschaubitz, schrieb das Magazin. Dieser habe bei Tagessätzen von bis zu 986 Euro insgesamt mehr als 300 000 Euro erhalten. Zschaubitz habe zudem auf der Gehaltsliste der Kölner Kommunikationsberatung "Neues Handeln" gestanden, die er seit Januar 2006 beraten habe. Zu deren Kunden zählten die Aktion "Brot für die Welt", Misereor und Adveniat.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Fakten zum Unicef-Skandal von 2008

(afp)