Hilfsorganisationen: „Anker-Zentren sind keine geeigneten Orte für Kinder“

Appell von Hilfsorganisationen : „Anker-Zentren sind keine geeigneten Orte für Kinder“

Hilfsorganisationen und Sozialverbände warnen davor, Minderjährige in den geplanten Anker-Zentren für Flüchtlinge unterzubringen. "Anker-Zentren bieten Kindern kein Zuhause“, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks.

„Auf Grundlage der bisher bekannten Pläne steht für uns fest: Anker-Zentren sind keine geeigneten Orte für Kinder und Jugendliche“, sagt Meike Riebau, rechtspolitische Sprecherin von Save the Children Deutschland, am Samstag in Berlin. In einem offenen Brief an Kommunen und Bundesregierung fordern die insgesamt 24 Verbände, die Rechte und das Wohl von Kindern in der Debatte um die sogenannten Anker-Zentren zu achten.

Für einen gelungen Start benötigten Kinder Bildungsangebote, spezielle Gesundheitsleistungen und Rückzugsräume, um zur Ruhe zu kommen. „Die Pläne der Bundesregierung lassen diese Erkenntnisse nicht nur außer acht - sie laufen ihnen zuwider“, sagte Riebau. „Das Kindeswohl muss Vorrang vor sicherheitspolitischen Erwägungen haben.“

Neben Save the Children gehören unter anderem der Paritätische Gesamtverband, mehrere Flüchtlingsräte, die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe, das Deutsches Kinderhilfswerk, der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt, Terre des Hommes und Pro Asyl zu den Unterzeichnern des Aufrufes. Laut den Verbänden waren 45 Prozent der im Jahr 2017 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge Kinder und Jugendliche.

In den von der Bundesregierung geplanten Anker-Zentren soll künftig das komplette Asylverfahren abgewickelt werden. „Anker“ ist die Kurzform für Aufnahme-, Entscheidungs- und Rückführungseinrichtung. Nach Plänen des Bundesinnenministeriums sollen im Spätsommer bis Herbst bis zu sechs Pilot-Zentren eröffnet werden. Geplant ist die Unterbringung von bis zu 1.500 Personen je Zentrum.

Erwachsene alleinstehende Asylbewerber sollen bis zu 18, Familien bis zu sechs Monate in den Zentren bleiben, um sicherzustellen, dass beim Verlassen ihr Asylverfahren beendet ist. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erhofft sich auch eine Erhöhung der Abschiebezahlen durch die direkte Ausreise aus den Zentren.

(wer/epd/KNA)
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