1. Politik
  2. Deutschland

Nach zehn Jahren: Altkanzler Kohl wieder bei der CDU: "Hier ist meine Heimat, hier bin ich zu Hause"

Nach zehn Jahren: Altkanzler Kohl wieder bei der CDU : "Hier ist meine Heimat, hier bin ich zu Hause"

Erstmals seit zehn Jahren hat Altbundeskanzler Helmut Kohl am Dienstag an einer Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag teilgenommen. Der 82-Jährige rief in einer kurzen Ansprache zu Zusammenhalt und Miteinander in Europa auf.

Mit einem Bekenntnis zum Ausbau Europas und zur Union als seiner politischen Heimat ist Altkanzler Helmut Kohl nach zehn Jahren erstmals wieder in die CDU/CSU-Fraktion gekommen. "Hier ist meine Heimat, hier bin ich zu Hause", sagte Kohl am Dienstag nach Teilnehmerangaben zu den Abgeordneten, die ihn mit großem Beifall empfingen.

Europa bewahren

Kohl, der seit einem Sturz 2008 nur schwer sprechen kann, rief dazu auf: "Wir müssen Europa erhalten und weiter ausbauen. Wir brauchen die Bereitschaft zum Miteinander. Wir können die Zukunft nur gemeinsam gewinnen."

"Wir müssen den Frieden in Europa bewahren", mahnte Kohl und betonte die Erfolge der Fraktion und seiner Partei.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte im Anschluss an die Sitzung, Kohl sei eine "große Persönlichkeit der Geschichte". Er sei froh, dass der Besuch in der Fraktion zustande gekommen sei.

Würdigung für den Altkanzler

Der 82-Jährige kam in Begleitung seiner Frau Maike im Rollstuhl in den Sitzungssaal der Union im Reichstagsgebäude. Die Fraktion würdigte ihn für seine 16-jährige Kanzlerschaft, die am 1. Oktober vor 30 Jahren begann und mit dem Wechsel zu Rot-Grün 1998 endete.

2002 war Kohl aus dem Bundestag ausgeschieden. Am Donnerstag feiert auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung seine Verdienste unter anderem als Kanzler der Deutschen Einheit und glühenden Europäer.

Kohl, "sein Mädchen" und die Anderen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte Kohl auf dem Podium. Ihr Verhältnis zu Kohl gilt seit der CDU-Spendenaffäre 1999 als zerrüttet. Kohl hatte am Gesetz vorbei Geld für die Partei angenommen und die Namen der Spender - bis heute - nicht preisgegeben. Merkel forderte die Partei damals als Generalsekretärin auf, sich von Kohl zu lösen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der ebenfalls im Zuge der Affäre mit Kohl brach, kam entgegen ersten Ankündigungen nicht zu der Sitzung am Dienstag. Nach Angaben der Fraktion musste er zu einer Konferenz mit europäischen Finanzministern nach Finnland.

Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach von einem Glücksgefühl, Kohl wieder vor der Fraktion zu sehen. "Ich weiß, was er für unser Land getan hat und für Europa. Das sind historische Leistungen." An die Spendenaffäre denke er nicht, sagte Jung.

  • Fotos : Helmut Kohl fachsimpelt mit Günter Netzer
  • Fotos : Die Frau an Helmut Kohls Seite
  • Fotos : Helmut Kohl - sein Leben mit Hannelore

Der CSU-Abgeordnete Peter Gaulweiler meinte, die CDU habe Kohl in der Spendenaffäre "zu hart behandelt". Da sei viel Heuchelei im Spiel gewesen. Kohls Auftritt vor der Fraktion sei ein bedeutender Moment.

(dpa)