Hermann Gröhe führt Landesliste der NRW-CDU zur Bundestagswahl an

Landesvertreterversammlung: Gröhe führt Landesliste der NRW-CDU zur Bundestagswahl an

Die Wahl von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zum Spitzenkandidaten der NRW-CDU für die Bundestagswahl soll dem größten deutschen Landesverband auch Rückenwind im eigenen Landtagswahlkampf verschaffen.

298 Delegierte — und damit 98,7 Prozent der abgegebenen Stimmen — wählten den Rheinländer an diesem Samstag bei der Landesvertreterversammlung im ostwestfälischen Bad Sassendorf auf Listenplatz 1."Das ist ja auch eine charmante In-die-Pflichtnahme durch die Partei", machte Gröhe nach seiner Wahl deutlich, dass er diesen Auftrag der NRW-CDU auch so verstanden hat.

Die Landesliste sichert wichtige NRW-Kandidaten zusätzlich ab, die bei der Bundestagswahl unter Umständen in ihren Wahlkreisen kein Direktmandat holen. Wer auf den vorderen Plätzen der Liste steht, kann dann trotzdem mit einem Einzug in den Bundestag hoffen. Bis zu welchem Platz auf der sogenannten Reserveliste dies gewährleistet ist, steht allerdings erst nach der Wahl fest.

Bei der vergangenen Bundestagswahl griff die Nachrücker-Liste der CDU bis zu Platz 50. Bei den letzten drei Bundestagswahlen war Norbert Lammert der Spitzenkandidat der NRW-CDU. Der Bundestagspräsident erklärte aber im Oktober, bei der Wahl am 24. September nicht wieder antreten zu wollen.

Karl-Josef Laumann auf Platz 2

Auf Platz 2 der Liste wählten die Delegierten mit 94,3 Prozent der Stimmen Karl-Josef Laumann. Der Westfale ist Staatssekretär unter Gröhe und als Patientenbeauftragter der Bundesregierung bislang nicht im Bundestag vertreten. Die deutliche Zustimmung für Laumann werteten einige Delegierte auch als Signal an die Nummer Eins der NRW-CDU, Armin Laschet: "Der Laumann sitzt ihm immer noch wie ein Stachel im Nacken", sagte eine Teilnehmerin.

Nach dem Wahldebakel der CDU 2012 teilten Laschet und Laumann sich den Fraktions- und den Landesvorsitz auf, um eine Führungskrise der NRW-CDU zu vermeiden. Vorher hatten sie beide betont, dass die beiden Spitzenämter eigentlich in eine Hand gehören. Erst nach dem Weggang Laumanns nach Berlin konnte Laschet neben dem Landesvorsitz auch den Fraktionsvorsitz der NRW-CDU übernehmen. Damals galten sie als Rivalen, inzwischen betonen sie ihre Freundschaft. Hinter den Kulissen wird sogar spekuliert, ob Laumann im Falle eines Wahlsieges der CDU vielleicht sogar wieder zurück nach Düsseldorf kommt und ein Ministerium übernimmt.

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Auf Platz 3 setzte sich Elisabeth Winkelmeier-Becker (Rhein-Sieg-Kreis) durch, gefolgt vom ehemaligen NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (Gelsenkirchen). Die Staatssekretäre Günter Krings (Platz 6) und Thomas Rachel (Platz 7) repräsentieren die Regionen Niederrhein und Aachen. Der CDU-Finanzexperte und Vize-Landesvorsitzende Ralph Brinkhaus aus Ostwestfalen-Lippe folgt auf Platz 8.

Der Vorsitzende der jungen Union, Paul Ziemiak, zieht mit 84,4 Prozent Zustimmung auf Listenplatz 11 in den Wahlkampf und ist damit "sehr zufrieden", wie er sagte. Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, verzichtete auf die Kandidatur für einen aussichtsreichen Listenplatz. Er tritt im Münsterland in einem Wahlkreis an, der ohnehin als sichere CDU-Bastion gilt.

"Die Verunsicherung ist mit den Händen zu spüren"

Die Stimmung unter den Delegierten in Bad Sassendorf beschreiben Teilnehmer als "gut, aber nicht gut genug". Zwar hat sich die NRW-CDU seit einigen Monaten in Wählerumfragen bei 30 Prozent und mehr eingependelt. Wohl vor allem wegen des Hypes um den neuen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz liegt die NRW-SPD, die am Samstag in Düsseldorf einen Landesparteitag abhielt, inzwischen aber wieder deutlich vorne. "Die Verunsicherung ist mit den Händen zu spüren", sagte ein CDU-Vorstand am Rande der Abstimmungen.

Der Vorstand kommt im Anschluss an die Vertreterversammlung zusammen, um über das CDU-Wahlprogramm zu beraten.

(tor)
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