Herkunft und Varianten der deutschen Nationalhymne

Historie der Hymne : Herkunft und Varianten des Lieds der Deutschen

Was wirklich hinter der ersten Strophe des Deutschlandliedes steckt und welche Idee Brecht zum Lied der Deutschen entwickelte.

Auf der damals britischen Insel Helgoland schrieb 1841 der Dichter und Germanist August Heinrich von Fallersleben das Lied der Deutschen mit der zutiefst chauvinistisch klingenden ersten Zeile „Deutschland, Deutschland, über alles, über alles in der Welt.“ Doch dahinter steckte kein Überlegenheitsanspruch, sondern die pure Sehnsucht, die Kleinstaaterei zu überwinden und endlich zu einem gemeinsamen Staat deutscher Nation zu kommen.

Weder in den nachfolgenden Revolutionszeiten von 1848 noch nach der gelungenen Gründung des Deutschen Reiches 1871 konnte sich das Lied durchsetzen, schon gar nicht als Nationalhymne. Das verfügte erst Reichspräsident Friedrich Ebert 1922 für die Weimarer Republik. Im Nationalsozialismus wurde die erste Zeile dann mit der Überlegenheitsattitüde und mit dem Horst-Wessel-Lied, dem nationalsozialistischen Parteilied, verbunden. Sie begleitete die Truppen beim Einmarsch in andere Länder. Es war als Hymne verdorben und kam bei den Alliierten auf den Index.

Erst 1952 erklärte Bundespräsident Theodor Heuss das Lied wieder zur Nationalhymne, allerdings unter der Bedingung, dass bei offiziellen Anlässen nur die dritte Strophe (“Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“) gesungen wird. Die DDR hatte zu diesem Zeitpunkt längst eine eigene Hymne geschaffen. Den Text (“Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“) lieferte der spätere Kulturminister Johannes R. Becher rechtzeitig zum Jahrestag der Oktoberrevolution 1949. Er wurde dann aber kaum gesungen, erst die Montagsdemonstranten griffen ihn 1989 wieder auf und verliehen der Liedzeile „Deutschland, einig Vaterland“ neue Beliebtheit.

Das besondere an beiden Hymnen: Sie ließen sich beide auf der Melodie der jeweils anderen singen. Das Versmaß beider Texte passt sowohl auf die „Auferstanden“-Musik von Hanns Eisler, als auch auf  die „Einigkeit“-Musik von Joseph Haydn, die ursprünglich dem „Kaiserquartett“ gewidmet war und  auch die alte österreichische Monarchie-Hymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“ melodisch umfasste.

Große Faszination übt nach wie vor eine Überarbeitung von Bert Brecht aus, der sein 1950 entstandenes Gedicht „Kinderhymne“ sowohl als Alternative zur bundesdeutschen als auch zur DDR-Hymne verdichtete. „Anmut sparet nicht noch Mühe“ lautet die erste Zeile bei ihm, und statt „Deutschland über alles“ heißt es bei ihm: „Dass ein gutes Deutschland blühe wie ein andres gutes Land“. Zudem ersetzte er Fallerslebens Geografie für ein großdeutsches Reich unter Einschluss fremder Landesteile (“Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“) durch die bescheidenere Beschreibung „Von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein“.

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