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Helmut Kohl darf Tonbänder mit Lebenserinnerungen behalten

Ghostwriter scheitert mit Berufung : Altkanzler Kohl darf Tonbänder mit Lebenserinnerungen behalten

Im Rechtsstreit um sein politisches Vermächtnis hat Altkanzler Helmut Kohl einen weiteren Erfolg erzielt. Das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschied am Freitag, dass der Ex-Kanzler Tonbänder mit insgesamt 630 Stunden Gesprächsmitschnitten behalten darf.

Vor dem Kölner Landgericht hatte sich Kohl bereits in erster Instanz mit einer Klage gegen den Publizisten Heribert Schwan auf Herausgabe der Tonbänder durchgesetzt. Auf den Bändern sind Gespräche zwischen Kohl und Schwan über das Leben des früheren Kanzlers dokumentiert.

Schwan hatte nach seiner Niederlage vor dem Landgericht die Tonbänder einem Gerichtsvollzieher ausgehändigt, zugleich aber Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. Diese Berufung wies das Oberlandesgericht nun zurück. "Ich neige dazu, in Revision zu gehen", sagte Schwan nach der erneuten Niederlage.

Deshalb appelliere er an die Konrad-Adenauer-Stiftung und an CDU-Politiker wie Norbert Blüm, Heiner Geißler, Bernhard Vogel oder Kurt Biedenkopf, sich an den Kosten zu beteiligen. Er sage zu, die Bänder dem Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Verfügung zu stellen, falls sie ihm in letzter Instanz vom Bundesgerichtshof zugesprochen werden sollten.

In den Jahren 2001 und 2002 hatte Kohl in seinem Haus in Oggersheim mit Schwan als Ghostwriter einer Kohl-Biografie an mehr als 100 Tagen ausführliche Gespräche geführt, die auf den Tonbändern aufgezeichnet sind. Nach seinem schweren Treppensturz 2008 musste Kohl die Arbeit mit Schwan an der Biografie unterbrechen.

Im März 2009 kündigte der Altkanzler schließlich die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf. Seine spätere Forderung nach Herausgabe der Tonbänder begründete Kohl damit, dass nur er über seine Lebenserinnerungen zu bestimmen habe.

Schwan hatte von 1999 bis 2009 mit Kohl an dessen Memoiren gearbeitet. Bisher sind drei Bände erschienen, sie umfassen die Jahre 1930 bis 1994. Die letzten vier Jahren Kohls im Kanzleramt bis zu seiner Abwahl 1998 fehlen noch in der biografischen Buchreihe — damit fehlt in einem möglichen vierten Band auch die Darstellung unter anderem der CDU-Spendenaffäre.

Der damalige CDU-Vorsitzende Kohl hatte von 1993 bis 1998 anonyme Spenden für die Partei entgegengenommen. Das Geld wurde nicht ordnungsmäß im Rechenschaftsbericht ausgewiesen.

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(DEU)