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Terrorprozess in München: Harun P. distanziert sich vom Dschihad

Terrorprozess in München : Harun P. distanziert sich vom Dschihad

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in München der Terrorprozess gegen einen mutmaßlichen Syrien-Kämpfer Harun P. begonnen. Ihm wird gemeinschaftlicher Mord und versuchter Anstiftung zum Mord in Syrien vorgeworfen. Zum Prozessauftakt kündigte der gebürtige Münchner an, umfassend auszusagen.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 27 Jahre alten Deutschen Harun P. vor, als Mitglied der Gruppe "Junud Al-Sham" am Terror in Syrien beteiligt gewesen zu sein. Der Name der Gruppe bedeutet übersetzt so viel wie "Die Soldaten Syriens". Der Münchner muss sich wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in dem Bürgerkriegsland sowie wegen gemeinschaftlichen Mordes und versuchter Anstiftung zum Mord verantworten.

Kein unbeschriebenes Blatt

Der Mann war im April am Prager Flughafen festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er war der Anklagebehörde zufolge im September 2013 nach Syrien gereist, wo er sich der militant-dschihadistischen Gruppierung angeschlossen habe. Der Angeklagte soll dort eine Kampfausbildung absolviert haben.

Anfang Februar 2014 soll er dann zusammen mit etwa 1600 Dschihadisten das Zentralgefängnis in Aleppo mit Panzern und Maschinengewehren angegriffen und rund 300 Gefangene befreit haben. Bei den Kämpfen wurden laut Bundesanwaltschaft mindestens zwei syrische Regierungssoldaten und fünf Häftlinge getötet.

Harun P. soll außerdem versucht haben, Verantwortliche der "Junud Al-Sham" dazu zu bewegen, ein 16-jährigen Mädchens zu töten, das aus Syrien nach Deutschland zurückkehren wollte. Er habe befürchtet, das Mädchen könnte seinen Aufenthaltsort und seine Aktivitäten verraten.

Für die Münchner Behörden ist er kein unbeschriebenes Blatt. Er soll sich bereits in Deutschland radikalisiert haben und als potenziell extrem gewaltbereit gelten, seitdem er den Bundesvorsitzenden der islamfeindlichen Partei "Die Freiheit" bedroht hatte, wie die Welt unter Berufung auf Sicherheitskreisen berichtet.

Angeklagte distanziert sich vom Dschihad

Der Prozess begann unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Die Justizbeamten an der Sicherheitsschleuse trugen schusssichere Westen, vor Prozessbeginn wurde der Gerichtssaal mit einem Bombenspürhund durchsucht. Für den Prozess sind bis April 13 Verhandlungstage vorgesehen. Das Gericht hat fünf Sachverständige und 16 Zeugen geladen.

Zum Auftakt hat sich der Angeklagte von radikalem Islamismus und Dschihad distanziert. Er habe nicht die von der Bundesanwaltschaft behauptete Zielsetzung, hieß es in einer Erklärung, die sein Anwalt am Dienstag im Prozess vor dem Oberlandesgericht vorlas. Zu den konkreten Vorwürfen äußerte er sich zunächst nicht. Er erklärte sich aber bereit, umfassend auszusagen.

Mehrere Prozesse dieser Art erwartet

Die Verhandlung gegen den 27-Jährigen ist nicht der erste Prozess seiner Art vor einem deutschen Gericht. Angeklagte, die sich in Syrien Terrorgruppen angeschlossen haben sollen, müssen sich auch in Stuttgart, Berlin und Düsseldorf vor Gericht verantworten.

Künftig könnten die Gerichte vermehrt mit Rückkehrern aus Syrien und dem Irak befasst sein. Mindestens 600 radikale Islamisten sind bereits ausgereist. Etwa 200 sind wieder zurück in Deutschland. Bundesweit werden mehr als 70 Ermittlungsverfahren gegen Rückkehrer und Dschihad-Unterstützer geführt.

Im ersten deutschen Prozess gegen ein Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wurde der Angeklagte im Dezember vom Frankfurter Oberlandesgericht zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.