Das Gefahrengebiet, die Klobürste und eine Kissenschlacht Hamburg: Olaf Scholz verteidigt harte Linie

Hamburg · Seit Wochen sorgt das Gefahrengebiet in Hamburg für Diskussionsstoff. Am Wochenende kam es erneut zu Auseinandersetzungen, nachdem das Gebiet verkleinert worden war. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz verteidigt nun in einem Interview die Maßnahmen, zeigte aber auch Verständnis für die kreativen Formen des Protests. Und von denen gibt es inzwischen viele.

Hamburg und der "Klobürsten"-Protest
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Foto: dpa, Christian Charisius

Rund um die Reeperbahn war es am Wochenende erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei in Hamburg gekommen. In der Nacht zum Samstag waren drei Beamte nach Angaben der Polizei leicht verletzt worden. Innensenator Michael Neumann (SPD) deutete daher im Gespräch mit dem Sender NDR 90,3 an, dass das großflächige Gefahrengebiet möglicherweise zu früh reduziert worden sei.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der in diesen Tagen auch als "Roter Sheriff" gescholten wird, verteidigt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" die Maßnahme. Bedenken, die nun laut werden, teile er nicht, sagt Scholz darin. "Das Instrument hat sich bewährt und wird sich weiter bewähren." Schließlich sei das Vorgehen auch nicht neu, "solche Gefahrengebiete haben in Hamburg über viele Jahre existiert, etwa in Gegenden mit Raubkriminalität oder Drogenhandel".

Scholz: "Hier ging es einer großen Gruppe ausschließlich um Gewalt"

Zu Beginn der Personenkontrollen seien auch viele Dinge wie Pyrotechnik und Schlagwerkzeuge gefunden worden. "Die Kontrollen haben die Maßnahmen bestätigt." Zudem glaubt er, dass sich viele Bürger sicherer fühlten durch die Einrichtung des Gefahrengebietes. Auch sei es bei der Demonstration vor Weihnachten, die der Auslöser gewesen war, nicht wirklich um politische Dinge gegangen. "Hier ging es einer großen Gruppe ausschließlich um Gewalt."

Scholz betont zudem, dass wenige Wochen vor der Demonstration vor Weihnachten die zuständige Bezirksversammlung beschlossen habe, dass ein Bebauungsplan das Kulturzentrum "Rote Flora" absichere. Und so fragt er: "Gegen wen wird das demonstriert? Gegen den Staat, der hilft, eine unabhängige autonome Kultur zu erhalten?" Die "Rote Flora" sei nun mal da, und es gebe keine politische Kraft, die das ändern wolle.

Dass in Hamburg auch kreative Formen des Protestes gegen die Polizeipräsenz gefunden werden, dem kann Scholz auch etwas Positives abgewinnen. "Wenn jetzt Kissenschlachten veranstaltet werden, ist das lustig und ein Zeichen für Entspannung", sagt er in dem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Am Freitag hatten mehrere hundert Menschen mit einer organisierten Kissenschlacht gegen die Polizeikontrollen protestiert. Doch noch mehr zum Symbol des Widerstandes ist etwas ganz anderes geworden: die Klobürste.

Ein Spiel namens "Danger Zone"

Am Samstag waren bei einem "Brushmob" hunderte Menschen friedlich durch das Schanzenviertel und auf der Reeperbahn marschiert, wie etwa der NDR berichtet und hatten Klobürsten nach oben gehalten. Auch im Netz gibt es inzwischen jede Menge Fotomontagen, die Bezug auf die Klobürste nehmen. Der Hintergrund: In einem Beitrag des ARD-"Nachtmagazins" vom 7. Januar war zu sehen, wie ein Polizist in Kampfmontur einen mit erhobenen Händen an einem Bus stehenden Mann eine Klobürste aus dem Hosenbund zieht. Seither ist die Klobürste immer wieder im Hamburger Stadtgebiet zu sehen, die Demonstranten rufen dann gern mal "Klo, Klo, Klobürsteneinsatz" — ganz unter dem Motto "St. Pauli bleibt widerborstig".

Laut "Hamburger Abendblatt" hat die Internet-Community auch ein Spiel mit den Namen "Danger Zone" entwickelt. Wer mitspielt, macht einen Spaziergang durch die Gefahrenzone und trägt dabei möglichst auffällige Klamotten, um eine Polizeikontrolle zu provozieren. Auf der entsprechenden Seite zum Spiel würde empfohlen, Dinge wie Gurken oder Bananen mit Zündschnur mitzuführen oder kleine Plastiktüten mit Oregano oder Backpulver. Punkte gibt es dann wie folgt: Wer die Gefahrenzone passiert, bekommt fünf Punkte, bei einem Platzverweis gibt es 15 Punkte und 20 Punkte, wenn man mit auf die Wache genommen werde

Angesichts der noch immer angespannten Lage dürfte es wohl nicht die letzte Form des kreativen Protests sein, welche die Hamburger sich ausdenken.

(das)
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