Häusliche Gewalt Frauenhäuser stoßen gerade an Feiertagen an ihre Grenzen

Berlin · Häusliche Gewalt nimmt zu – und an Feiertagen ist das Risiko besonders hoch. Doch die Finanzierung von Frauenhäusern reicht hinten und vorne nicht. Nach wie vor fehlen bundesweit fast 15.000 Schutzplätze.

 Eine Frau steht vor einem Frauenhaus.

Eine Frau steht vor einem Frauenhaus.

Foto: dpa/Sophia Kembowski

Während viele Familien an Ostern die freien Tage genießen, droht in anderen häusliche Gewalt. „An Feiertagen können sich bestehende Konflikte schnell zuspitzen, wenn die ganze Familie zu Hause ist. Die Hilfestellen stoßen dann teilweise an ihre Grenzen und zwar gerade in Bundesländern, wo die Finanzierung unsicher ist“, sagt Dorothea Hecht vom Verein Frauenhauskoordinierung unserer Redaktion.

Die Polizeistatistiken zu häuslicher Gewalt zeichnen ohnehin ein beunruhigendes Bild: Danach gab es 2022 mehr als 240.000 Opfer - überwiegend Frauen, die von Männern attackiert worden sind. Die Tendenz ist steigend. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wies vor wenigen Tagen bei einer Veranstaltung auf die Femizide in Deutschland hin, also die geschlechtsbezogene Tötung von Frauen, und sprach von einer „Diskriminierung (...), die Leben kostet“. Statistisch wird hierzulande jeden dritten Tag eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet.

Zunehmende Brutalität trifft also auf ein System, dem an allen Stellen das Geld fehlt. So müssen Frauenhäuser regelmäßig Schutzsuchende abweisen, weil die 6.800 Plätze, die es bundesweit gibt, bei weitem nicht reichen. Nötig wären zusätzlich bis zu 15.000 Plätze in Frauenhäusern oder Schutzwohnungen, wenn Deutschland die Istanbul-Konvention erfüllen will. Das Abkommen des Europarats zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen gilt seit 2018 und verlangt von den Unterzeichnerstaaten unter anderem eine Mindestzahl an Schutzplätzen in allen Regionen des Landes. In rund 90 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten gibt es die aber gar nicht.

Hinzu kommt: Bundesweit gibt es keine einheitlichen Regelungen zur Finanzierung, sondern eher einen Flickenteppich. Während zum Beispiel Frauenhäuser in Hamburg pauschal finanziert werden, allerdings nur auf freiwilliger Basis, gibt es in den meisten Bundesländern noch nicht einmal das. Frauen müssen dann im Zweifel sogar einen Eigenanteil beisteuern. Und sogenannte 24/7-Häuser, wo Frauen rund um die Uhr aufgenommen und dann auf andere Einrichtungen verteilt werden können, sind eher die Ausnahme als die Regel.

Kathrin Sonnenholzner, Präsidentin der Arbeiterwohlfahrt, kritisiert das im Gespräch mit unserer Redaktion scharf: „Es kann doch nicht sein, dass es vom Wohnort abhängt, ob eine Frau Hilfe bekommt, wenn sie in einer Bedrohungssituation ist.“ Bisher sei das so, weil es keine bundesweit geltende Verpflichtung zum Vorhalten von Schutz und Beratung gebe - jede Kommune könne selbst entscheiden, welche Angebote sie hier mache. Sie fordert: „Deswegen brauchen wir endlich ein Recht auf Schutz und Beratung für Gewaltbetroffene und ein Bundesgesetz, das bestehenden Missständen und Schutzlücken deutschlandweit entgegen wirkt. Der Staat muss Gewaltschutz garantieren.“

Tatsächlich hat Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) angekündigt, Frauenhäuser und Frauen-Beratungsstellen finanziell stärken zu wollen. Eine bundesgesetzliche Regelung wird offenbar dazu erarbeitet. Einzelheiten sind allerdings nicht bekannt. Und in Zeiten klammer Kassen ist mehr als offen, ob es dafür Geld geben wird. Dorothea Hecht von der Frauenhauskoordinierung befürchtet: „Das Bundesfamilienministerium, das von vielen als Gedöns-Ministerium gesehen wird, hat da einen schweren Stand.“

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