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Ankara soll alles vor deutschen Behörden vertuscht haben: Haben 50.000 Türken illegal einen deutschen Pass?

Ankara soll alles vor deutschen Behörden vertuscht haben : Haben 50.000 Türken illegal einen deutschen Pass?

München (rpo). Die Türkei kommt nicht aus den Schlagzeilen. Etwa 50.000 Deutsch-Türken besitzen angeblich illegal einen deutschen Pass. Sie ließen sich heimlich in der Türkei wieder einbürgern. Die türkische Regierung soll dabei geholfen haben, die Staatsangehörigkeit gegenüber deutschen Behörden zu vertuschen.

Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Dem Blatt liegt nach eigenen Angaben ein Runderlass des türkischen Innenministeriums vom 10. September 2001 vor, in dem alle 81 Gouverneursämter angewiesen wurden, von Deutschland verlangte Registerauszüge zu manipulieren. In dem Erlass heißt es demnach, die deutsche Gesetzgebung lasse die Möglichkeit der Doppelstaatsangehörigkeit nicht zu. Ein Vermerk könne "zu Schwierigkeiten führen". Durch deutsche Behörden könne "die deutsche Staatsangehörigkeit annulliert werden". Wenn die Staatsangehörigkeit nicht aufgeführt werden soll, müsse "das Zeichen in dem Kästchen "chek" auf dem Bildschirm gelöscht werden".

Dem Bericht zufolge wurden Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und Innenminister Otto Schily (SPD) eingeschaltet und über die "Verschleierungspraxis" informiert. Die deutsche Botschaft in Ankara habe sich im türkischen Innenministerium massiv über den Erlass beschwert. Bei einem Treffen auf Ebene der Staatssekretäre habe der türkische Außenamts-Staatssekretär Ugur Ziyal gegenüber seinem deutschen Kollegen Klaus Scharioth eingeräumt, der Runderlass sei "not very kosher".

Bei den illegalen Doppelstaatsbürgerschaften handelt es sich laut "Focus" nicht um Einzelfälle. Ziyal benannte dem Blatt zufolge bei dem Treffen "einen Kreis von 40.000 bis 50.000 Personen, möglicherweise auch mehr". Im Auswärtigen Amt hieß es auf "Focus"-Anfrage, die Türkei habe den Erlass Nr. 6003.31 inzwischen offiziell zurückgenommen. Die deutschen Diplomaten in Ankara deckten nach Informationen des Nachrichtenmagazins allerdings auch danach noch Fälle auf, in denen gefälschte Dokumente präsentiert wurden. Es gebe bislang keine Anhaltspunkte für eine grundlegende Kehrtwende der türkischen Behörden.

(afp)