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Minister mit Gattin in Afghanistan: Guttenbergs Familien-Ausflug stößt auf Kritik

Minister mit Gattin in Afghanistan : Guttenbergs Familien-Ausflug stößt auf Kritik

Düsseldorf (RPO). Karl-Theodor zu Guttenberg beherrscht wieder einmal die Schlagzeilen. Seit Montag befindet sich der Verteidigungsminister in Afghanistan auf einem Truppenbesuch der anderen Art. In seiner Entourage befinden sich nicht nur zwei Ministerpräsidenten und Talkmaster Johannes B. Kerner, sondern erstmals auch Gattin Stephanie. Die Opposition kritisiert die Inszenierung.

Düsseldorf (RPO). Karl-Theodor zu Guttenberg beherrscht wieder einmal die Schlagzeilen. Seit Montag befindet sich der Verteidigungsminister in Afghanistan auf einem Truppenbesuch der anderen Art. In seiner Entourage befinden sich nicht nur zwei Ministerpräsidenten und Talkmaster Johannes B. Kerner, sondern erstmals auch Gattin Stephanie. Die Opposition kritisiert die Inszenierung.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg fliegt mit Gattin Stephanie zum vorweihnachtlichen Truppenbesuch nach Afghanistan. Alle großen Medien berichten, es gibt schöne Fotos. "Eine Frage des Herzens" sei der Besuch, erklärt die Frau zu Guttenberg bei der Ankunft vor TV-Kameras. Sie möchte "ihre Solidarität als Gattin und Mutter" zum Ausdruck bringen und sich von der Situation der Soldatinnen ein eigenes Bild machen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Das komme bei den Soldaten prima an.

Aber nicht bei der Opposition, die schäumt angesichts des Trips: "Das passt ins Bild", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, der "Mitteldeutschen Zeitung". "Guttenberg nutzt die Bundeswehr als Kulisse und Dekoration für seine Inszenierungen. Ich weiß nicht, ob man noch eine ,Bild'-Zeitung drucken kann ohne ein Foto von zu Guttenberg und seiner Frau. Und das geht seit Monaten so. So langsam geht ihm auch jegliches Gespür ab, wo die Grenzen sind."

Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, zürnte via "Tagesspiegel": "Afghanistan ist das letzte Land, dass sich für Showbusiness und Entertainment eignet. Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig." Guttenbergs Selbstinszenierung werde dem Ernst der Lage in Afghanistan in keiner Weise gerecht. Auch Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour kritisierte die Reise.

In Parlamentskreisen wurde zudem moniert, dass Bundestagsabgeordnete teils seit Jahren vergeblich versuchten, zu den deutschen Truppen zu reisen. "Dabei sind die Abgeordneten diejenigen, die über den Einsatz der Bundeswehr entscheiden", hieß es. Außerdem hätten die Bundestagsabgeordneten im Gegensatz zur Ministergattin ein Mandat.

Fest steht: Die Hindukusch-Visiten von Guttenbergs blassem Amtsvorgänger Fraz-Josef Jung (CDU) erfreuten sich zumeist deutlich weniger medialer Resonanz. Dass nun vermehrt berichtet wird, liegt auch am Verteidigungsminister. Eigentlich gilt der Posten nämlich nicht als besonders reizvoll - was sich seit Guttenbergs Amtsantritt im Herbst 2009 geändert hat.

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Medien geschickt eingesetzt

Zu Guttenberg hat mehr zu bieten als Jung: adelige Herkunft, Reichtum, Eloquenz, eine junge und attraktive Frau. Das alles verspricht einen gewissen Glamour, den man im faden Polit-Geschäft nur selten findet. Gleichzeitig gibt sich der 39-Jährige volksnah und als jemand, der Klartext redet. Von daher wundert es nicht, dass er auf der Beliebtheitsskala andere Berufskollegen weit hinter sich lässt.

Zudem verstand es Guttenberg von Anfang an, die Medien für seine Zwecke einzuspannen. Als er sich - noch als Wirtschaftsminister - vor nicht einmal zwei Jahren zu Verhandlungen über Opel in New York befand, posierte er medienwirksam auf dem Times Square. Die Fotografen drückten fleißig auf die Auslöser, tags darauf war der schneidige Baron in allen Gazetten der Republik zu finden.

Kurze Zeit später nahm die Öffentlichkeit auch von Guttenbergs Frau Stephanie Kenntnis. Zusammen avancierten sie zum Traumpaar der deutschen Politik, der "Spiegel" prophezeite vor einigen Wochen auf dem Titel gar den "Paarlauf ins Kanzleramt". Frau Guttenberg, eine geborene Bismarck-Schönhausen, engagiert sich zudem in der Organisation "Innocence in Danger" gegen Kindesmissbrauch. Für ihre Co-Moderation in der umstrittenen RTL2-Sendung "Tatort Internet" erntete sie jedoch Kritik.

Affäre überstanden

Auch ihr Mann hat seine erste Krise bereits hinter sich. Nach der umstrittenen Bombardierung zweier Tanklaster in Kundus nannte er das Vorgehen "militärisch angemessen", musste später jedoch zurückrudern. Man habe ihm Dokumente vorenthalten, erklärte der Minister zur Begründung. Guttenberg entließ einen Staatssekretär und den Generalinspekteur. Die Affäre hinterließ keine bleibenden Spuren - auch wenn der Bayer zum ersten Mal eine politische Angriffsfläche bot.

Inzwischen hat der Minister handfeste politische Erfolge vorzuweisen. Die Aussetzung der Wehrpflicht und die damit verbundene Reform der Bundeswehr tragen seine Handschrift. Damit hat er sich auch gegen innerparteiliche Widerstände und seinen einstigen Förderer, CSU-Chef Horst Seehofer, durchgesetzt. Aufgrund der politischen Gewichtszunahme gilt Guttenberg inzwischen als Mann, der mittelfristig auch für höhere Weihen geeignet scheint.

Die Durchsetzung der Reform war Guttenbergs Gesellenstück. Im Umgang mit den Soldaten gibt er sich als fürsorglicher Minister zum Anfassen. Immerhin ist er bereits zum siebten Mal in Afghanistan. Der jetzige Trip soll moralische Unterstützung für die Soldaten signalisieren. "Es ist ganz wichtig, dass man gerade in der Weihnachtszeit jenen Anerkennung und Unterstützung gibt, die tausende Kilometer von der Heimat entfernt einen harten Dienst absolvieren", erklärte er dem "Focus". Deshalb sei auch seine Frau mitgereist.

Nur das Echo dürften sich die Guttenbergs etwas anders vorgestellt haben. Die mediale Inszenierung der Reise könnte auch in der Bevölkerung als übertrieben wahrgenommen werden. Immerhin berichteten die Nachrichtenagenturen von der Ankunft der Guttenbergs, TV-Sender waren vor Ort. Am Montag wird zudem mit Talkmaster Kerner eine Sendung aufgezeichnet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ehepaar Guttenberg in Afghanistan