Aktuelle Umfrage: Guttenberg verliert deutlich an Sympathie

Aktuelle Umfrage : Guttenberg verliert deutlich an Sympathie

Mainz (RPO). Als Konsequenz aus den Plagiatsvorwürfen hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Umfragen deutlich Sympathiepunkte eingebüßt. Zwar konnte der CSU-Politiker in dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer seinen Rang als beliebtester Politiker noch verteidigen. Doch nach dem bislang deutlichen Vorsprung der vergangenen Monate liegt er nunmehr mit einem Durchschnittswert von 1,4 (nach 2,0 Anfang Februar) gleichauf mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Nur Unterschiede "im Hundertstelbereich" machten den ersten Platz für den Minister aus, teilte das ZDF mit. Auf Platz drei folgt unverändert SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, danach kommt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Außenminister Guido Westerwelle belegt weiter Platz zehn und damit die letzte Ranking-Stufe. Der FDP-Chef konnte schaffte allerdings den besten Wert seit fast einem Jahr.

Scharfe Attacke von Seiten der SPD

Von der SPD kam erneut scharfe Kritik an Guttenberg. Ein Verteidigungsminister, der viele junge Menschen zum Einsatz ins Ausland schicken müsse sei in besonderem Maß auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen angewiesen, sagte Steinmeier der "Südwest Presse". Kein anderer Politiker habe in der Vergangenheit so viel von Werten, Anstand und Glaubwürdigkeit gesprochen. "Und kein anderer hat so dreist über seine Qualifikation gelogen." Guttenberg werde als Minister nicht zu halten sein. Steinmeier warf zugleich Merkel vor, sie habe Angst vor der Enttäuschung von Guttenbergs Anhängern. Dies dürfe jedoch nicht der Maßstab von Entscheidungen sein.

Auch beim Koalitionspartner FDP wächst derweil die Unzufriedenheit über Guttenberg und den Umgang mit den Verfehlungen. Führende Liberale beklagten das Krisenmanagement, wollten sich aber nicht namentlich äußern. Zugleich wurde darauf verwiesen, dass die Reputation und Glaubwürdigkeit der gesamten Koalition auf dem Spiel stehe. "Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten sind keine Bagatelle", hatte vor wenigen Tagen der bayerische Wissenschaftsminister und FDP-Politiker Wolfgang Heubisch betont. Die FDP will sich jedoch nicht offen gegen Guttenberg stellen. Die Kanzlerin wie auch die CSU hätten sich klar zu Guttenberg bekannt, daher gelte das Solidaritätsgebot.

Ein Sprecher der Universität Bayreuth betonte unterdessen, die Kommission für die Selbstkontrolle in der Wissenschaft prüfe weiter, ob ein Täuschungsversuch durch Guttenberg vorliege. Dabei gehe es auch um mögliche Lehren für die Arbeit der Uni bei Promotionsvorhaben. Mit schnellen Ergebnissen sei aber nicht zu rechnen. Die Universität wies zugleich den Eindruck zurück, Sponsoring-Mittel der Familie Guttenberg erhalten zu haben.

Die Bayreuther Uni hatte Guttenberg am Mittwoch den Doktortitel aberkannt, den Vorwurf der bewussten Täuschung, den der Minister vehement zurückweist, aber nicht geprüft.

Nur 22 Prozent der Bürger vertraten in der ZDF-Umfrage die Meinung, Guttenberg solle wegen der Affäre zurücktreten, drei Viertel (75 Prozent) wollen dies nicht. 42 Prozent sehen durch die Vorwürfe die Guttenbergs Glaubwürdigkeit dauerhaft beschädigt, 55 Prozent hingegen nicht. 60 Prozent halten den Minister weiter für höchste politische Ämter geeignet. Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 22. und 24. Februar insgesamt 1306 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.

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(RTR/felt)
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