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Gutachten von IT-Sicherheitsfirma: Viele Lücken im Bundestagsnetzwerk

Gutachten von IT-Firma : Viele Sicherheitslücken im Bundestagsnetzwerk

Die IT-Infrastruktur des Bundestages hat immer noch zahlreiche Schwachstellen. Das berichten NDR und "Süddeutsche Zeitung" und berufen sich auf einen geheimen Bericht einer IT-Sicherheitsfirma.

Fünf Monate vor der Bundestagswahl können sich Hacker weiterhin über viele Sicherheitslücken Zugang zum Netzwerk des Bundestages verschaffen. Besonders die zahlreichen Tablets und Smartphones, die von Abgeordneten und Mitarbeitern genutzt werden, seien anfällig. Das geht aus einem Bericht des NDR und der "Süddeutschen" Zeitung hervor, denen ein geheimes Gutachten der IT-Firma Secunet vorliegt, das die Bundestagsverwaltung in Auftrag gegeben hatte.

Der Secunet-Bericht wurde demnach im Februar fertiggestellt. Darin bemängeln die Experten, dass die Tablets und Smartphones nicht zentral verwaltet würden. Das sei ein "unkontrollierter Einsatz von Endgeräten". Auch die Installation von Apps werde nicht standardmäßig verhindert. Über ein zentrales Geräte-Management könnte die Verwaltung festlegen, welche Apps erlaubt sind und welche nicht.

Auch auf lokalen Rechnern lassen sich dem Gutachten zufolge Programme ausführen. Dadurch könnten Hacker in das Bundestagsnetz eindringen, indem sie eines der Geräte, die von Abgeordneten auch privat eingesetzt werden, infizieren - zum Beispiel durch einen USB-Stick.

Nach Einschätzung von Secunet können Menschen, die Zugang zum Parlamentsgebäude haben, sich auch an offen zugänglichen Netzwerk-Anschlüssen zu schaffen machen. Mit entsprechender Ausrüstung könne der Netzwerk-Verkehr mitgeschnitten und ausgelesen werden.

Neben Abgeordneten und deren Mitarbeitern haben auch Journalisten, Lobbyisten und Handwerker Zutritt zu den Gebäuden des Parlaments. Insgesamt sind es laut Bundestagsverwaltung 15.000 Menschen.

Eine weitere Sicherheitslücke im Zusammenhang mit internen Firewall-System wird dem Bericht zufolge allerdings bereits geschlossen. Der Ältestenrat habe eine neue Firewall für 470.000 Euro bewilligt. Andere Schwachstellen werden nach Einschätzung der zuständigen Kommission des Bundestags aber über den Bundestagswahlkampf hinaus bestehen bleiben.

Im Dezember 2014 und im Januar 2015 hatte es Attacken mit sogenannten Trojanern auf das Bundestags-Netzwerk gegeben, die Schäden konnten nur mit großem Aufwand behoben werden. Als Urheber wurde damals ein ausländischer Nachrichtendienst vermutet. Vor der Bundestagswahl im September sind nun viele Politiker über eine mögliche ausländische Einflussnahme besorgt, zum Beispiel durch die Veröffentlichung von E-Mails mit sensiblem Inhalt aus gehackten Netzwerken.

(kess/AFP)