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Grüne und Joschka Fischer sprechen wieder miteinander

Ex-Parteichef kommt zur Syrien-Debatte : Grüne und Joschka Fischer sprechen wieder miteinander

Viele Jahre ging man sich aus dem Weg. Das Verhältnis zwischen dem einstigen Frontmann der Grünen, Joschka Fischer, und der nun abgewählten Führungsriege war angespannt. Das ändert sich, wie auch Fischers Teilnahme an der Syrien-Debatte der Grünen zeigt.

Die Zusagen der prominenten Gastredner lagen den Grünen erst Anfang der Woche vor. Seither meldet die Fraktion eine "steile Anmeldungskurve" für die Syrien-Debatte am Donnerstagabend in Berlin: "Der Andrang ist riesig". Der angemietete Europa-Saal im Paul-Löbe-Haus des Bundestages könnte schnell zu klein werden.

Natürlich ist der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi ein Zugpferd. Die Zusage von Ex-Außenminister Joschka Fischer aber dürfte für Schwung im Politik-Betrieb gesorgt haben. Denn der lässt sich nach Jahren der Abstinenz mal wieder auf einer Bühne der Grünen sehen. Die Zeiten, in denen sich die frühere Galionsfigur der Öko-Partei und einstige Weggefährten aus dem Weg gingen, scheinen vorbei: "Das Verhältnis hat sich entspannt", heißt es in der Grünen-Fraktion.

Seit Jahren hält der Alt-68er und heutige Unternehmensberater, der einen großen internationalen Freundeskreis pflegt, nur noch wenig Kontakt zur eigenen Partei. Zur 30-Jahr-Feier der Bundestagsfraktion im vergangenen Frühjahr ist der 65-Jährige nicht erschienen - obwohl er über Jahre unumstrittene Nummer eins war und die Partei prägte wie kaum ein anderer. Fischer trimmte die Revoluzzertruppe auf Regierungsfähigkeit und führte sie 1998 in das erste rot-grüne Bündnis. Das hielt sieben Jahre lang, was auch Fischer zu verdanken war.

Selten war ein Vize-Kanzler so populär wie Joseph Martin Fischer - trotz einer Vergangenheit als Steine werfender Straßenkämpfer. Nach der Abwahl von Rot-Grün 2005 sind sich die Partei und Fischer aus dem Weg gegangen. Viele Spitzenleute wie die inzwischen abgewählten Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin waren auf Distanz gegangen. Sie und auch Ex-Parteichefin Claudia Roth standen lange im Schatten Fischers und zeigten ihren Unmut, wenn sie mal wieder mit dem dominanten Superstar früherer Jahre verglichen wurden.

Aber auch Fischer machte keinen Hehl daraus, was er von der Führungsriege Trittin & Co. hielt, die bis zum Herbst 2013 das Sagen hatte, nach der Wahlschlappe aber gehen musste. Beide Seiten ignorierten sich demonstrativ, stänkerten öffentlich gegeneinander und pflegten über Jahre ein Nichtverhältnis.

Komplett abgewandt hat sich Fischer trotz Funkstille aber nie ganz. Den hessischen Kollegen um Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir half er 2008 im Wahlkampf, für die Europäischen Grünen engagiert er sich immer mal wieder. Seine Firma Joschka Fischer&Company organisiert mit einer Werbeagentur den Europawahlkampf der Grünen.

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Ein Ende der Eiszeit zwischen Fischer und den Grünen in Berlin zeichnet sich nach Angaben aus der Partei schon länger ab. Das neue Quartett aus den Grünen-Chefs Simone Peter und Cem Özdemir sowie dem Fraktions-Duo Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter setzten wieder auf Annäherung. Zumal viele jüngere, jetzt nachrückende Grünen-Politiker ein entspannteres Verhältnis zu Fischer haben als viele Altvordere. Was Fischer die Öffnung leichter machen dürfte.

Der grüne Außenpolitiker Omid Nouripour, der die Syrien-Diskussion organisierte, will von jahrelangem Zoff nichts wissen: "Für mich war unser Verhältnis zu Fischer nie verkrampft." Das neue Führungsquartett wird am Donnerstag aber wohl nicht komplett dabei sein. Was einzig am sehr kurzfrstigen Termin liege, wie betont wird.

(dpa)