Unicef-Skandal: Großsponsor erwartet personelle Konsequenzen

Unicef-Skandal : Großsponsor erwartet personelle Konsequenzen

Frankfurt/Main (RPO). Das Rabattpunkte-Unternehmen Payback erwartet personelle Konsequenzen aus dem Unicef-Skandal. Ansonsten droht nach dem Ausstieg von bis zu 10.000 Dauerspendern des Kinderhilfswerks auch der Rückzug des Großsponsors. Ex-Unicef-Chefin Heide Simonis forderte den Vorstand auf, persönliche Konsequenzen zu ziehen.

Payback-Geschäftsführer Alexander Rittweger betonte, Payback gehe zwar nicht davon aus, dass bei Unicef Spendengelder veruntreut oder verschwendet worden seien. Man sei jedoch "in großer Sorge" über die mangelnde Fähigkeit im Hause Unicef, "durch eindeutige Worte und Taten Schaden vom bisher untadeligen Unicef-Image abzuwenden", zitiert "Spiegel-Online" aus einer E-Mail Rittwegers an das Kinderhilfswerk.

Man hoffe nun, dass Unicef den Ernst der Lage erkenne und rasch die richtigen - auch personellen - Konsequenzen ziehe. Andernfalls müsse Payback seinen Mitgliedern "eine andere Organisation für ihre Punktespenden anbieten". Payback hat nach eigenen Angaben in den vergangenen acht Jahren mehr als zwei Millionen Euro für Unicef gesammelt.

Der Hamburger Reeder und Initiator der Unicef-Projekts "Schulen für Afrika", Peter Krämer, ist nach eigenen Worten entsetzt über die Krise beim Kinderhilfswerk: "Ich erwarte, dass sich Geschäftsführer Dietrich Garlichs und der Vorsitzende Reinhard Schlagintweit für die Schlampereien bei Unicef glaubhaft entschuldigen", sagte Krämer der Tageszeitung "Die Welt".

Simonis wehrt sich gegen Vorwürfe

Die frühere Unicef-Chefin Simonis wies Vorwürfe wegen der Krise zurück. "Das Problem von Unicef ist auf jeden Fall nicht Simonis", sagte sie der "Frankfurter Rundschau". Damit wandte sie sich gegen Anschuldigungen ihres Nachfolgers Reinhard Schlagintweit. "Jetzt sollte sich jedes Vorstandsmitglied fragen, ob es auch persönliche Konsequenzen zieht."

Simonis kritisierte erneut Vorstand und Geschäftsführung der Hilfsorganisation. Unicef-Geschäftsführer Garlichs sei zwar sehr engagiert, aber seine Arbeit sei "vielleicht doch von Sorglosigkeit, Unbekümmertheit, Großzügigkeit und Schlamperei gekennzeichnet", sagte Simonis. Viele Menschen verstünden nicht, was abgelaufen sei. Sie könnten die Verwendung der Mittel nicht nachvollziehen. Es fehle außerdem die Transparenz. Es gebe fragwürdige Vorgänge wie die hohen Summen für Beraterverträge.

Schlagintweit hielt dem entgegen, dass Simonis zwei Jahre lang Vorsitzende gewesen sei und nie etwas bestandet habe, obwohl ihr schwere Vorwürfe zu Ohren gekommen seien. "Erst als die Presse davon berichtete, ging sie plötzlich auf Distanz und säte auch Misstrauen, das sie jetzt immer wieder wiederholt", sagte Schlagintweit dem Bayerischen Rundfunk.

Änderungen beim Spendensiegel gefordert

Das katholische Hilfswerk Adveniat forderte derweil Änderungen beim Spendensiegel. "Es geht deutlich preiswerter", sagte Sprecher Christian Frevel dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zu den 18 Prozent Verwaltungs- und Werbungskostenanteil bei dem Kinderhilfswerk. Adveniat liege bei 6,2 Prozent. Frevel kritisierte, dass das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) unterschiedslos vergeben werde, obwohl das DZI beim Haushaltsgebaren intern drei Stufen unterscheide. "Das muss transparenter werden", forderte Frevel.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Fakten zum Unicef-Skandal von 2008

(ap)
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