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Gorch Fock: Habt Mut zum Weiterbau

Kommentar zum Umgang mit dem Segelschulschiff : Das Symbol Gorch Fock

Das Wrack könnte zum Signal der Hoffnung für den Rest der unter Murks und Pannen leidenden Bundeswehr werden - wenn es jetzt fertig repariert wird.

Es ist jetzt gut anderthalb Jahrzehnte her, da bekamen die Regierungsflieger eine neue Lackierung. Der Schriftzug „Luftwaffe“ und die blaue Lackierung verschwanden. Sie wurden ersetzt durch strahlendes Weiß, „Bundesrepublik Deutschland“ und Schwarz, Rot, Gold. Sieh an, da kommt ein wichtiger Repräsentant einer wirtschaftlich dynamischen Nation, sollte die Botschaft sein. Ein anderer Botschafter dieser traditionsreichen und die Völkerverständigung liebenden Nation war das imposante Segelschulschiff Gorch Fock. Die Flieger, das Schiff, fertig war das perfekte Image.

Heute schämen sich gestrandete Bundesminister dafür, dass nicht „Luftwaffe“ auf den Pannenfliegern steht, sondern weithin sichtbar die „Bundesrepublik Deutschland“ mal wieder Probleme hat. Das verbindet sich schnell mit dem Hinweis, dass der Regierungsflieger, wenn er denn starten könnte, ohnehin nicht auf dem Großflughafen BER landen könnte, obwohl er das eigentlich seit 2011 können sollte. Weil der nicht fertig wird, kann auch die Flugbereitschaft nicht umziehen. Und weil inzwischen die Kapazitäten des neuen BER schon nicht mehr ausreichen, braucht der zivile Teil den Platz, den eigentlich das Militär bekommen sollte. In Binnensicht und Außendarstellung reiht sich also Murks an Murks.

Insofern steht der andere Botschafter in seinem aktuellen Zustand als Wrack sowohl für die zivilen Peinlichkeiten wie für die militärischen Unfähigkeiten. Die Gorch Fock hat die erste Silbe ihrer Bezeichnung als Windjammer fallen gelassen. So jämmerlich Marine und Ministerium mit den Kostenexplosionen umgingen, so störanfällig sind die Strukturen in der gesamten Truppe. Wenn die Bundeswehr mal internationale Einsätze zu stemmen hat, müssen die dafür eingeteilten Einheiten sich ihr Equipment bei anderen Verbänden zusammenschnorren. Das Kern-Argument der Ministerin stimmt im Grundsatz:. Was ein Vierteljahrhundert lang kaputtgespart wurde, ist mit einem Handgriff nicht wieder zurecht zu biegen.

Über Jahre hat sich die Politik den Zustand der Bundeswehr schön geredet und etwa den Begriff des „dynamischen Verfügbarkeitsmanagements“ erfunden. Er stand für: Es fehlt überall an allem. Die Gorch Forck symbolisiert auch das, was daraus folgt. Statt mal wieder für relativ kleines Geld mit ein bisschen Schweißen und Hämmern und Streichen flott gemacht werden zu können, drohte sie zum Totalausfall zu werden. Das weitestgehend entkernte Schiff hat nun aber die Chance, als Fast-Neubau in gut einem Jahr wieder in See stechen zu können. Die Politik sollte das Wagnis des Weiterbaus eingehen. Auch als Signal an den Rest der Truppe: Der Zustand eines Wracks kann sich auch wieder wandeln.