Berlin: Golfende Sozialdemokraten wollen Sarrazin loswerden

Berlin : Golfende Sozialdemokraten wollen Sarrazin loswerden

(RP). Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin ist wegen seiner umstrittenen Thesen zur Einwanderung in Deutschland nun auch bei den "Golfenden Sozialdemokraten" (Gosos) in Ungnade gefallen.

Der "Focus" zitiert aus einer E-Mail des Berliner Staatssekretärs und Goso-Mitglieds Ulrich Freise, die unter anderem an die Parteifreunde Klaus Wowereit, Björn Böhning und Peter Strieder gerichtet sei. Darin schreibe Freise, weil er sich beim Sport auch wohlfühlen wolle, sei es ihm "wichtig, in wessen Gesellschaft ich bin". Weiter: "Mit Thilo habe ich gelegentlich Golf gespielt. Und ich habe ihn auch lange Zeit persönlich sehr geschätzt, trotz seiner manchmal abstrusen Äußerungen und öffentlichen Provokationen. Ich habe aber nach seinen rechtslastigen, menschenverletzenden und rassistischen Verirrungen und Verwirrungen nicht länger Lust, ihm bei den Gosos zu begegnen und mit ihm zusammen Sport zu treiben."

Die Gosos seien zwar "eigentlich eine völlig unbedeutende Truppe", schreibt Freise weiter — "aber ich möchte ihr nicht länger angehören, wenn Thilo bei uns seinen Platz hat". Neben den Gosos gibt es in der SPD auch die Jusos (Jungsozialisten) und die Schwusos (Lesben und Schwule in der SPD). Die Gosos treffen sich laut "Focus" seit 2008 alle zwei Wochen zum Golf. Sarrazin spiele jedoch — anders als der passionierte Golfer Wowereit — lediglich auf Anfängerniveau.

Am vergangenen Donnerstag hatte sich der Vorstand der Bundesbank für Sarrazins Abberufung ausgesprochen. Dennoch will Sarrazin nach Angaben der "Bild am Sonntag" heute weiter seinen Dienst in der Frankfurter Zentrale des Geldinstituts versehen. Schließlich werde der Antrag auf Sarrazins Abberufung erst rechtsgültig, wenn Bundespräsident Christian Wulff diesen unterschrieben habe. Nachdem Sarrazin alle Geschäftsbereiche entzogen worden seien, beantworte er zurzeit an die Bundesbank adressierte "Bürgerpost"-Briefe, schrieb das Blatt weiter.

Sarrazin hat offenbar seine Vorstandskollegen vorab über sein umstrittenes Buch über die deutsche Einwanderungs- und Integrationspolitik informiert. Er habe den gesamten Vorstand am 16. August schriftlich über die geplante Veröffentlichung von "Deutschland schafft sich ab" in Kenntnis gesetzt, berichtet die "Bild am Sonntag". Allerdings habe weder Bundesbank-Präsident Axel Weber noch ein anderes Vorstandsmitglied darauf reagiert und sich nach dem Inhalt des Buches erkundigt.

(RP)
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