Gleichstellung: Gleiche Löhne für Männer und Frauen lassen sich nicht verordnen

Kommentar : Gleiche Löhne für Männer und Frauen lassen sich nicht verordnen

Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich weiterhin gut 20 Prozent weniger als Männer, gemessen an den Bruttostundenlöhnen. Das ist schon seit 20 Jahren unverändert so, und es wird auch in den kommenden Jahren so bleiben, wenn nicht die strukturellen Ursachen dieses Lohngefälles endlich beseitigt werden – und die Frauen selbst beruflich umdenken.

Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich weiterhin gut 20 Prozent weniger als Männer, gemessen an den Bruttostundenlöhnen. Das ist schon seit 20 Jahren unverändert so, und es wird auch in den kommenden Jahren so bleiben, wenn nicht die strukturellen Ursachen dieses Lohngefälles endlich beseitigt werden — und die Frauen selbst beruflich umdenken.

Der anhaltend große Lohnunterschied erklärt sich zu großen Teilen mit der Familiengründung, der Familienkultur in Deutschland und dem daraus resultierenden eklatanten Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen. Frauen unterbrechen nicht nur ihre berufliche Karriere in den entscheidenden Jahren, um Kinder zu bekommen. Sie haben sie auch danach, der saloppe Ausdruck sei entschuldigt, an der Backe: Nur sechs Prozent aller Väter reduzieren ihre Arbeitszeit nach der Familiengründung, aber drei Viertel aller Mütter. Die Nicht-Erwerbstätigkeit und hohe Teilzeitquote bei Frauen — in Deutschland ist jede zweite Frau nur in einem Teilzeitjob tätig — wird weit überwiegend mit dem Mangel an Kitas erklärt.

Wer aber seine Arbeitszeit über mehrere Jahre reduziert, kommt für die Karriereleiter weniger infrage. Teilzeitjobberinnen erzielen zudem geringere Bruttostundenlöhne als Vollzeit-Arbeitnehmerinnen.

Es gibt aber auch Ursachen für das Lohngefälle, die bei den Frauen selbst zu suchen sind und die nur partiell mit dem Familienhintergrund zu tun haben. Frauen haben einen nachweislich geringer ausgeprägten Führungs- und Qualifikationsanspruch, sie geben oft lieber der Freizeit den Vorzug vor einer stressigen Karriere. Auch deshalb gibt es deutlich weniger Frauen als Männer in Leitungsfunktionen. Zudem wählen Frauen weiterhin Berufe, in denen nicht selten sogar Hungerlöhne üblich sind. Naturwissenschaftliche Studienfächer werden von jungen Frauen immer noch als "Abturner" begriffen. Doch nicht jeder naturwissenschaftliche Abschluss muss hinterher in einen langweiligen technischen Job münden, die Arbeitswelt ist viel interessanter, als sich das viele Frauen offenbar vorstellen.

Es bleiben sieben Prozentpunkte des Lohngefälles von aktuell 22 Prozent, die sich letztlich nicht durch diese strukturellen Ursachen erklären lassen — sagt die Wirtschaft, sagt auch die Wissenschaft, also glauben wir das mal. Hinter diesen sieben Prozentpunkten verbirgt sich wahrscheinlich so etwas wie mangelnde Verhandlungsmacht der Frauen, ein Mangel an Anerkennung für Frauen, Diskriminierung.

Diese Diskriminierung zu beseitigen, haben sich linke Parteien seit Jahren auf die Fahnen geschrieben und neuerdings auch die große Koalition. Auf Drängen der SPD strebt sie eine gesetzliche Frauenquote für Führungspositionen an — und plant ein Entgeltgleichheitsgesetz. Wo genau es ansetzen soll, ist unklar, aber auch unwichtig. Denn gleiche Löhne für gleiche Arbeit von Männern und Frauen lassen sich staatlich nicht verordnen. So etwas muss gesellschaftlich gewollt und gelebt werden.

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