Gesetzliche Krankenversicherung Beitragsrückstände erreichen Höchststand

Berlin · Die Corona-Pandemie hinterlässt auch in der gesetzlichen Krankenversicherung ihre Spuren. Sie verbuchte im Jahr 2021 das höchste Defizit ihrer Geschichte. Auch ein weiterer Wert erreicht einen Höchststand.

 Die gesetzlichen Kassen geraten unter finanziellen Druck.

Die gesetzlichen Kassen geraten unter finanziellen Druck.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die gesetzliche Krankenversicherung gerät finanziell massiv unter Druck. Die gesetzlichen Krankenversicherungen verbuchten im vergangenen Jahr das höchste Defizit ihrer Geschichte. Die Fehlbeträge der Kassen summierten sich 2021 auf rund 5,8 Milliarden Euro. 2020 hatte der Fehlbetrag noch knapp 2,7 Milliarden Euro betragen, teilte das Bundesgesundheitsministerium Anfang März mit.

Eine Antwort auf eine kleine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion, die unserer Redaktion vorliegt, ergab nun, dass sich auch die Beitragsrückstände auf einem Rekordniveau befinden. Seit dem Jahr 2014 sind die Beitragsrückstände von 5,46 Milliarden Euro auf zuletzt 19,64 Milliarden Euro (Januar 2022) angewachsen. Der Anstieg beruhe danach im Wesentlichen auf neuen Beitragsrückständen der freiwillig Versicherten. Ihre Beitragsschuld erhöhte sich den Angaben zufolge auf zuletzt 8,6 Milliarden Euro zu Beginn des Jahres 2022. „Immer mehr Versicherte sind offenbar nicht mehr in der Lage, ihre Krankenversicherungsbeiträge zu bezahlen. Es ist absehbar, dass diese Entwicklung durch die hohe Inflation noch massiv verschärft wird“, sagte der AfD-Sozialpolitiker René Springer.

Aus der Anfrage geht weiter hervor, das sich die Zahl der Krankenkassen von 169 im Jahr 2010 auf aktuell 97 reduziert hat. Dabei sind die Verwaltungskosten der Krankenversicherung zwischen 2010 und 2020 um 24 Prozent beziehungsweise 2,3 Milliarden. Euro gestiegen. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte die  Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen in einem Interview kürzlich auf möglicherweise steigende Beiträge 2023 vorbereitet. Bei einem erwarteten Defizit der Kassen von rund 17 Milliarden Euro im nächsten Jahr ließe sich das nicht vollständig vermeiden. Es würde aber versucht, die Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen, in dem Reserven genutzt und der Steuerzuschuss erhöht werde.

(mün/dpa)
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