Giffey über Plagiatsvorwüfe: Urteil über Doktorarbeit „nicht von anonymer Internetplattform“ treffen lassen

Plagiatsvorwürfe gegen Ministerin : Giffey will Urteil über Doktorarbeit „nicht von anonymer Internetplattform“ treffen lassen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will die Prüfung ihrer Doktorarbeit durch die Universität abwarten. Erst danach wolle sie darüber entscheiden, ob sie mögliche Konsequenzen zieht.

Das sagte Giffey am Dienstag bei einer Fragerunde mit Schülern auf der Jugendkonferenz Tincon in Berlin. „Ich werde das Ergebnis abwarten und dann entsprechend damit umgehen“, sagte die Familienministerin. „Eine anonyme Internetplattform ist aber nicht der Ort, an dem die Entscheidung getroffen wird.“

Plagiatsjäger der Internet-Plattform VroniPlag hatten zuvor berichtet, sie hätten auf 76 von 205 Seiten der Dissertation Plagiatstext gefunden. Seit Februar wird Giffeys Doktorabeit deshalb von der Freien Universität Berlin (FU) geprüft. Die FDP forderte am Montag bereits den Rücktritt Giffeys, sollte ihr der Doktortitel aberkannt werden.

Auch auf mehrfache Nachfrage der Jugendlichen bat Giffey am Dienstag auf der Tincon darum, die Prüfung durch die Freie Universität Berlin abzuwarten. „Ich möchte, dass meine Uni darüber entscheidet.“ Giffey promovierte von 2005 bis 2009 am Otto-Suhr-Institut der FU zum Thema „Europas Weg zum Bürger - Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“.

Die Tincon ist eine Jugendkonferenz für Menschen zwischen 13 und 21 Jahren. Sie findet noch bis Mittwoch parallel zur Digitalkonferenz Republica statt. Über diese berichten wir in unserem „Zeitgeist“-Blog ausführlich. Giffey, die auch Bundesministerin für Jugend ist, stellte sich am Dienstag 45 Minuten lang Fragen von Schülern und Studenten.

Dabei warb sie für politisches Engagement von jungen Menschen und stellte sich hinter die Bewegung „Fridays for Future“. „Ihr opfert nicht eure Bildung, sondern ihr nutzt eure Bildung, um euch zu engagieren“, sagte Giffey. Sie verstehe die Demos auch „als einen Auftrag an die Bundesregierung“, mehr für das Klima zu tun. Seit mehreren Monaten gehen bei „Fridays for Future“ bundesweit Schüler auf die Straße und demonstrieren für mehr Klimaschutz. Kritik gibt es jedoch immer wieder daran, dass die Demos häufig in der Schulzeit stattfinden - und die Schüler dafür dem Unterricht fernbleiben. Zu einer dauerhaften „Vier-Tage-Woche“ dürften die Demos aber nicht führen, betonte Giffey.

Sie sprach sich außerdem für ein Wahlrecht ab 16 Jahren auch bei Bundestagswahlen aus. Sie sei überzeugt, dass „Menschen auch mit 16 Jahren in der Lage sind, eine politische Position zu vertreten.“ Ein Wahlrecht ab 16 sei zudem ein guter Weg, einer immer weiter fortschreitenden Alterung der Wähler entgegenzuwirken. Das, was jungen Menschen wichtig ist, sei heute nicht ausreichend im Wahlverhalten repräsentiert, sagte Giffey.

Mit Material der dpa.

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