Gesundheitsminister Jens Spahn befürwortet Masern-Impfpflicht in Kitas und Schulen

Gesundheitsminister bezieht Stellung : Spahn befürwortet Masern-Impfpflicht in Kitas und Schulen

Die immer noch hohen Infektionszahlen haben den Bundesgesundheitsminister auf den Plan gerufen: Am Dienstag hat sich Jens Spahn in die Debatte über eine Masern-Impfpflicht für Kinder in Kitas und Schulen eingeschaltet.

„Aus meiner Sicht macht es bei Gemeinschaftseinrichtungen Sinn“, sagte Spahn am Dienstag am Rande einer CDU-Landtagsfraktionssitzung in Düsseldorf. Zudem solle „idealerweise auch medizinisches Personal“ gegen Masern geimpft sein.

Aus Nordrhein-Westfalen bekommt Spahn Unterstützung. „Ich bin für eine Impfpflicht bei Masern“, erklärte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Denn Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können lebensgefährlich werden.“ CDU-Landtagsfraktionschef Bodo Löttgen schränkte ein, dass die Fraktion zwar auch offen für eine Impfpflicht in Gemeinschaftseinrichtungen sei, aber zurückhaltend in der Frage einer allgemeinen Impfpflicht.

In NRW war die Zahl der Masern-Infektionen nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit nach einem hohen Stand von 520 Fällen im Jahr 2017 auf 211 im vergangenen Jahr gesunken. Allerdings wurden seit Beginn dieses Jahres schon 95 Masernfälle gezählt - davon fast die Hälfte im Märkischen Kreis. In Essen hatte kürzlich eine Kita mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, nur noch Kinder mit Impfschutz gegen die gängigen Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln aufzunehmen.

Rechtlich halte er es für möglich, eine Impfpflicht in Gemeinschaftseinrichtungen umzusetzen, sagte Spahn. Es handele sich zwar um einen Eingriff in die Freiheit, aber die Aufklärungskampagnen in den vergangenen Jahren hätten nicht so gefruchtet wie erwartet. Immer noch sei die Zahl der Masern-Neuerkrankungen zu hoch.

Er sehe inzwischen nicht nur eine gesellschaftliche Akzeptanz für eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen, sondern auch parteiübergreifende Zustimmung dafür, sagte Spahn. Gerade in Gemeinschaftseinrichtungen gehe es um Verantwortung nicht nur für das eigene Kind, sondern für alle. „Wenn man will, kann man eine solche Regelung zügig umsetzen.“ Ihm sei es „wichtig, dass es am Ende eine Entscheidung ist, die auch breit mitgetragen wird“.

Das extrem ansteckende Masern-Virus wird durch Tröpfchen übertragen und kann zur ernsthaften Gefahr vor allem für Erwachsene werden. Die Impfquote in NRW liegt mit fast 98 Prozent bei der ersten und rund 94 Prozent bei der zweiten Impfung zwar höher als der Bundesdurchschnitt.

Das ist nach Ansicht von Experten trotzdem zu niedrig. „Um sie auszurotten, braucht es laut Experten eine hohe Impfquote von mindestens 95 Prozent“, sagte Laumann. Es kann nicht sein, dass weit über 90 Prozent der Kinder in NRW geimpft werden und wir wegen der letzten Prozente am Ende scheitern.“ Besonders junge Erwachsene wiesen immer noch Impflücken auf. „Ich würde gern eine Regelung haben, dass ungeimpfte Eltern sich freiwillig gleich mitimpfen lassen“, sagte Spahn.

(felt/dpa)
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