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Geschäftsführer Klaus Schüler organisiert den Parteitag

CDU-Geschäftsführer Klaus Schüler : Der Herr des Verfahrens

Er ist Kölner, Country-Liebhaber und ein stiller Manager der Macht. Nun muss CDU-Geschäftsführer Klaus Schüler einen Parteitag mit 1001 Delegierten und 1400 Journalisten organisieren. Und er muss neutral bleiben.

Texas und Köln, das sind die Sehnsuchtsorte für den Bundesgeschäftsführer der CDU, Klaus Schüler. Erkennbar ist dies an den beiden Flaggen des US-Bundesstaats und der Domstadt in Schülers Büro im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. Die Parteizentrale der Bundes-CDU ist aber längst auch so etwas wie die dritte Heimat Schülers. Seit fast 30 Jahren arbeitet er im Adenauer-Haus. In den vergangenen drei Wochen, als der Bundesgeschäftsführer mit seinem Team kurzerhand acht Regionalkonferenzen und einen historischen Parteitag mit einer noch nie dagewesenen Kampfkandidatur um den CDU-Vorsitz organisieren musste, konnte er sich das Bett eigentlich gleich ins Büro stellen. Schülers Job ist nicht nur eine logistische Herausforderung. Acht Regionalkonferenzen mit fast 20.000 Gästen, und nun am Freitag und Samstag der Bundesparteitag mit 1001 Delegierten und bis zu 1400 akkreditierten Journalisten aus mehr als 25 Nationen. Es ist auch eine politische Herausforderung, denn der Geschäftsführer muss den Bewerber-Prozess neutral und unabhängig im Hintergrund organisieren. Erst recht seitdem Schülers Quasi-Chefin, Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, sich aus dem operativen Geschäft im Adenauer-Haus zurückgezogen hat, um ihre eigene Kandidatur zu planen, schauen alle genau hin, was Schüler macht. Die Redezeiten der Kandidaten, die Auswahl der Orte, die Unterstützung aus dem Adenauer-Haus - alles wird penibel entlang der Satzung geplant. Nur Klaus Schüler kennt die komplette Liste der Delegierten des Parteitags wirklich. Sein Vorschlag, die Kandidaten reden in alphabetischer Reihenfolge, also erst Kramp-Karrenbauer, dann Merz, dann Spahn, ist unangreifbar.

Der gebürtige Kölner (aufgewachsen ist er auf der „schäl sick“ im rechtsrheinischen Mülheim) wirkt trotz allem entspannt, wenn man ihn trifft. „Er ist ein Perfektionist und er liebt die Planung“, sagt einer, der ihn gut kennt. In einer solchen Phase blühe „der Klaus“ erst richtig auf. Der Vergleich hinkt natürlich gewaltig, aber Planung und Logistik ist Schülers Hobby. In seiner Doktorarbeit befasste sich der Historiker mit der Logistik des Russland-Feldzuges im Zweiten Weltkrieg.

Wo Schüler im Kandidatenrennen selbst steht, würde er nie verraten. Doch man darf davon ausgehen, dass seine Sympathien eher dort zu verorten sind, wo auch Angela Merkels Sympathien liegen, also bei Annegret Kramp-Karrenbauer. Schüler ist ein Merkel-Mann. Er schätzt die Arbeit der Kanzlerin und Parteivorsitzenden, der er seit 2007 als Geschäftsführer treu, loyal und meist still im Hintergrund dient. 2005 schickte Merkel ihn als Kampagnenmanager nach Schleswig-Holstein, um den unerfahrenen und nach Umfragen unterlegenen CDU-Spitzenkandidaten Peter Harry Carstensen zu unterstützen. Die Nord-CDU schaffte die Wende und holte bei der verloren geglaubten Landtagswahl mit 40,2 Prozent das beste Ergebnis seit 1987. Unerwarteter Rückenwind für die CDU-Chefin Angela Merkel, die im Herbst 2005 Kanzlerin wurde.

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Die Zusammenarbeit mit der Kanzlerin wurde enger. Die Generalsekretäre wechselten, der Bundesgeschäftsführer blieb. Im Frühjahr 2016 bereitete Schüler für Merkel zum ersten Mal lose die Wiederwahl-Kampagne für die Bundestagswahlen 2017 vor. Im Herbst, die Kanzlerin hatte sich offiziell noch nicht entschieden, wieder anzutreten, kam Merkel mit ihren engsten Vertrauten, darunter Schüler, zu Beratungen in einem Gasthaus in Brandenburg zusammen. Als Schüler vortragen wollte, wie sehr er die Kanzlerin in den Mittelpunkt des Wahlkampfes stellen würde, unterbrach sie ihn. Er solle auch eine Kampagne entwickeln, die unabhängig von ihr funktionieren könnte, sagte sie. Schüler erwiderte nach Angaben von Teilnehmern nur: „Das geht nicht. Dann werden wir die Wahlen verlieren.“

Die Episode zeigt, wie sehr Schüler Vertrauen in die Vorsitzende hat. Und es zeigt wohl auch, wie sehr Schüler mit einem möglichen neuen Vorsitzenden Friedrich Merz hadern würde. Ob er dann im Adenauer-Haus bleiben würde? Fraglich. Bis dahin ist noch viel zu tun. Und danach geht es erstmal in den Urlaub. Ob Schüler dann nach Texas reist, wo er schon die Ranch der Bush-Familie besucht hat (auch Cowboystiefel und Cowboyhut sind in seinem Besitz) ist offen.