Germersheim: Warum eine Kaserne als Coronavirus-Quarantänestation?

Kaserne als Coronavirus-Quarantänestation : „Die größte Gefahr ist der Lagerkoller“

Während in Bayern sich ein achter Mensch mit dem Coronavirus infiziert hat, müssen 100 Deutsche und ihre Angehörigen nach ihrer Rückkehr aus China 14 Tage abgeschottet in einem Bundeswehrstandort betreut werden. Wie sieht es eigentlich in dem Gebäude aus?

Der Quarantäne-Block in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim glänzt vor Frische. „Das Gebäude wurde erst 2018 fertiggestellt“, sagt Bundeswehr-Hauptmann Josef Vollmer nicht ohne Stolz. Das Objekt mit der aufgemalten Zahl 4 war unbewohnt - bisher: Denn am Samstag wurden deutsche Staatsbürger und Familienangehörige aus der vom Ausbruch des Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan am Stützpunkt des Luftwaffenausbildungsbataillons erwartet. Ein kleiner Raum mit Etagenbett und ein Badezimmer mit Handtuchwärmer: dies ist dann für zunächst zwei Wochen ihr Zuhause.

Dutzende Menschen auf einem begrenzten Raum: „Die größte Gefahr ist der Lagerkoller“, räumt Michael Sieland vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein. Die Organisation ist vor Ort für die Rückkehrer zuständig, auch für den Kontakt im Quarantäne-Block. „Die Betreuung in der roten Zone übernehmen 27 Freiwillige des DRK“, sagt Sieland. „Wir wollen die Menschen beschäftigen, die wohl froh und erleichtert über die Rückkehr sind.“ Für die etwa zwei Dutzend Kinder liege Spielzeug bereit. „Und wir können jederzeit Nachschub bringen“, betont Sieland.

In der Kaserne würden die „Menschen, die einiges durchgemacht haben“, eine gute und angemessene Betreuung erhalten, ist die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sicher. „Ich hoffe, dass alle nach zwei Wochen gesund zu ihren Freunden und Familien zurückkehren können.“

Bis zu 14 Tagen dauert die Inkubationszeit - die Frist von der möglichen Ansteckung bis zum Krankheitsausbruch. Wird in dieser Zeit in Block 4 eine Infektion mit dem Coronavirus entdeckt, müssen nicht alle Rückkehrer länger bleiben. „Die Menschen werden in vier Gruppen eingeteilt. Wenn Merkmale einer Erkrankung auftauchen, muss nur die betroffene Gruppe bleiben - drei Gruppen können aber heimgehen“, sagt Landrat Fritz Brechtel aus Germersheim. Und wie ist die Stimmung der Bevölkerung der südpfälzischen Stadt? „Gelassen“, meint der CDU-Politiker.

Spricht man Menschen in der Kommune mit etwa 20.000 Einwohnern an, scheinen sich wirklich wenige Bürger große Sorgen zu machen. Die Kaserne steht zudem am Rande der Stadt. Allerdings berichtet die Zeitung „Die Rheinpfalz“ auch, dass in den vergangenen Tagen in den Apotheken von Germersheim die Verkaufszahlen für Mundschutz und Desinfektionsmittel in die Höhe geschnellt seien. „Fachleute sagen: Jeder Grippekranke ist ansteckender als ein Mensch mit Corona“, meint Landrat Brechtel. „Außerdem: Es kommen keine Kranken zu uns.“

„Wir minimieren mit der Quarantäne das Risiko - es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagt der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart. Der CDU-Politiker ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesgesundheitsministerium. „Experten sagen: Das Virus ist nicht so aggressiv wie befürchtet. Die Gefahr für die deutsche Bevölkerung bleibt gering“, unterstreicht Gebhart. „Wir reagieren angemessen, entschieden, ruhig und transparent.“ Täglich würden die Menschen in Block 4 ärztlich untersucht.

DRK-Mann Sieland zufolge steht dafür auch eine fahrbare Arztpraxis bereit. „Wir haben einen Arzt mit Ebola-Erfahrung - und wir haben unsere 27 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die freiwillig mit in Quarantäne gehen.“ Einer von ihnen ist Oliver Talke. Dem 52-Jährigen aus dem Westerwald fiel die Entscheidung nach eigenen Angaben leicht. „Für solche Einsätze tragen wir das DRK-Zeichen auf dem Ärmel“, sagt Talke an diesem grauen Februar-Tag. Jeder kenne die Situation. „Wir sind von den Ärzten gebrieft, ich gehe da entspannt rein.“

Die Kosten für die Quarantäne übernimmt Staatssekretär Gebhart zufolge der Bund. Auch die überwiegenden Kosten des Flugs wird die Bundesregierung tragen. Die Passagiere müssen sich allerdings beteiligen, wahrscheinlich müssen sie den Preis eines normalen Economy-Flugtickets von China nach Frankfurt bezahlen.

Von Frankfurt sollten jene Menschen, die keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen, noch am Samstag in Bussen ins rund 100 Kilometer entfernte Germersheim fahren. Sollte sich während des Aufenthalts in der Südpfalz-Kaserne ein Verdachtsfall ergeben, stünden Krankenhäuser in Ludwigshafen zur Behandlung bereit, sagte Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler.

Die Ankunft der Passagiere am Frankfurter Flughafen und damit in Germersheim verzögerte sich am Samstag jedoch erheblich, da der Bundeswehrflieger nicht wie geplant in Moskau zwischenlanden durfte. Er wurde daher in der finnischen Hauptstadt Helsinki aufgetankt.

Einer der zurückgekommenen Passagiere wird am Abend in der Frankfurter Uniklinik auf das Coronavirus untersucht. Elf Passagiere seien direkt vom Flieger in die Uniklinik gebracht worden, sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne). Bei einem von ihnen solle abgeklärt werden, ob er mit dem Coronavirus infiziert sei, bei den anderen lägen andere medizinische Gründe vor, erläuterte Klose rund drei Stunden nach der Landung des Fliegers. Die Nationalität und das Geschlecht des sogenannten Abklärungsfalls wurden zunächst nicht bekannt. Insgesamt seien 124 Passagiere in Frankfurt gelandet, darunter 100 Deutsche, 22 Chinesen, ein US-Bürger und ein Rumäne.

Derweil gab es am Abend in Bayern eine achte bestätigte Erkrankung mit dem Coronavirus. Es handle sich um einen 33-jährigen Mann, der in München wohnhaft sei, teilte das Gesundheitsministerium des Freistaats am Abend mit. Auch er sei ein Mitarbeiter der Firma aus dem Landkreis Starnberg, bei dem auch sechs der bisherigen Fälle auftreten waren. Dabei handelt es sich um den Autozulieferer Webasto mit Sitz in Stockdorf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Coronavirus - So sieht die Quarantäne-Unterkunft in Germersheim aus

(felt/dpa)